RB Leipzigs erstes Heimspiel in der Bundesliga

»Völlig Wahnsinnige!«

Das war im März 2015 ganz anders. RB spielte seine erste Saison in der 2. Liga und reiste zum Karlsruher SC. Im Vorfeld des Spiels bekamen einige RB-Fans, unter ihnen der Fanbeauftragte Enrico Hommel, ein Schreiben, in dem es hieß: »Wir möchten euch auf diesem Wege warnen, den weiten Weg nach Karlsruhe anzutreten.« Zwei Stunden vor Beginn des Spiels stürmten »Vermummte«, wie es in der Presse hieß, das Mannschaftshotel von RB. Sportdirektor Ralf Rangnick sprach von »völlig Wahnsinnigen« und berichtete, die Unbekannten wären bis in den Speisesaal vorgedrungen, in dem sich aber glücklicherweise zu diesem Zeitpunkt keine Spieler mehr befanden.

Feuerzeug an den Kopf

Einige Monate später wurde das Pokalspiel der Leipziger in Osnabrück abgebrochen, nachdem Schiedsrichter Martin Petersen ein Feuerzeug an den Kopf bekam, das wahrscheinlich den RB-Stürmer Yussuf Poulsen treffen sollte. So gesehen musste man fast froh sein, dass in Dresden vor zwei Wochen nur ein abgetrennter Schweinekopf von der Tribüne geworfen wurde.



Morgen nun empfängt RB zu seinem ersten Heimspiel in der Bundesliga Borussia Dortmund. Niemand aus dem harten Kern der BVB-Fans wird jemanden bespucken, bewerfen oder anderweitig bedrohen. Die Ultras aus Dortmund tragen weder Steine noch Flaschen oder Böller bei sich. Sie werden nicht maskiert sein und schleppen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen blutigen Tierschädel durch die Gegend. Stattdessen feuern sie ihre Mannschaft an und hören danach gemeinsam ein bisschen Radio.

Was haben die Ultras diesmal getan?

Man müsste annehmen, dass den schwarz-gelben Ultras wegen dieses geradezu vorbildlich friedfertigen Verhaltens eine Welle der Sympathie entgegenschlägt. Das Gegenteil ist der Fall. Weil sie gar nicht erst nach Leipzig fahren, sondern sich lieber das Spiel der zweiten Mannschaft gegen Wuppertal ansehen, dürfen sie sich zahlreiche Vorwürfe anhören.