Rassistische Ausfälle beim Derby della Capitale

Der berühmteste »Irriducibili«

Zuletzt beleidigten Teile der Laziali im Februar 2016 den schwarzen Neapel-Verteidiger Kalidou Koulibaly rassistisch, das Spiel wurde unterbrochen. 2015 richteten sich die Diffamierungen in den Champions League-Play Offs gegen die Leverkusener Spieler Wendell, Jonathan Tah und Karim Bellarabi. Lazios Sportdirektor Igli Tare verteidigte damals die Anhängerschaft und ihre »Affenlaute«: »Die Zuschauer haben keinen Spieler rassistisch beleidigt. Unsere Fans haben »uhh« geschrien. »Buhh« ist rassistisch, »uhh« ist, wenn man einem Gegner Angst machen möchte. Aber nicht auf rassistische Weise.«

Traurige Berühmtheit erlangte auch Paolo di Canio, Ex-Lazio-Kapitän und eingetragenes Mitglied der »Irriducibili«. Nach Abpfiff des Derbys im Januar 2005 lief er auf die Roma-Anhänger in der Curva Sud des Olympiastadions und reckte den rechten Arm zum römischen Gruß. Der ähnelt dem Hitlergruß, ist in Italien per Gesetz verboten und erfüllt den Strafbestand der »Verherrlichung des Faschismus«.

Di Canio, der sich selbst als rechtsradikal und Neofaschist bezeichnet, wiederholte den Gruß Ende desselben Jahres im Spiel gegen AS Livorno, einem Klub mit politisch linker Fanszene, aus Protest gegen das Urteil. Ebenso, wie nach seiner Auswechslung eine knappe Woche später im Spiel gegen Juventus Turin. Auf di Canios Oberarm ist das Wort »Dux« tätowiert, lateinisch für »Duce«, also Führer – der faschistische Titel Benito Mussolinis.

Rassisten bei der Roma

Doch nicht nur Lazio hat in Rom rechtsradikale Anhänger in den Reihen seiner Fans. So zeigte die Kurve des AS Rom 2006 im Spiel gegen ebenjenes linke Livorno ein Transparent mit den Worten »Lazio und Livorno – die selben Initialen, der selbe Ofen.«

Daneben präsentierten die AS Roma Ultras mehrere Hakenkreuzfahnen und Mussolini-Porträts. Vor dem selben Spiel fand die Polizei unter einer Brücke in Stadionnähe sechs vorbereitete Molotowcocktails, die für einen Brandanschlag auf einen Livorno-Fanbus gedacht waren. Ebenfalls stellten die Einsatzkräfte ein Transparent mit der Aufschrift »Wir haben euch alle verbrannt« sicher.

Der damalige Roma-Präsident Franco Sensi verurteilte die Aktionen, sagte aber auch: »Die Politik muss raus aus den Stadien.« Und lag damit grandios falsch. Ohne klare Bekenntnisse gegen faschistische und rassistische Ausfälle gerade dort, wo sie passieren, wird die Zahl der Vorfälle nicht zurückgehen. Das haben die Irriducibili gestern erneut bewiesen.