Rassismus im serbischen Fußball

Zurück in der Realität

Rassistische Beleidigungen gegen einen brasilianischen Spieler von Partizan Belgrad sorgen fast für einen Spielabbruch. Ein erneuter Beweis für den weitverbreiteten Rassismus im serbischen Fußball.

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Als der Schiedsrichter das Belgrader Derby zwischen FK Rad und Partizan Belgrad am Sonntag um kurz vor vier abpfiff, verließ Partizans brasilianischer Spieler Everton Luiz das Feld unter Tränen. Dabei hatten die Schwarz-Weißen das Spiel in Serbiens höchster Spielklasse gerade mit 1:0 für sich entschieden und den zweiten Platz in der Liga gesichert.

Was war passiert? Widerliches. Während der gesamten Partie wurde Luiz von den gegnerischen Anhängern bei jeder Berührung mit Affenlauten und anderen rassistischen Beleidigungen bedacht. Damit nicht genug: Die Rad-Ultra-Gruppe »United Force« entrollte kurz vor Spielende noch ein an Luiz adressiertes rassistisches Banner. Als dieser (vollkommen zurecht) mit ausgestrecktem Mittelfinger in Richtung der Idioten auf den Rängen reagierte, musste sogar die Polizei einschreiten, um weitere Auseinandersetzungen zu verhindern. 


Währenddessen flossen bei Luiz schon die Tränen: »Ich konnte sie nicht zurückhalten, da ich 90 Minuten lang rassistischen Beleidigungen ausgesetzt war.« Und: »Noch schockierter war ich von den Gegenspielern, die dieses Verhalten unterstützt haben, anstatt die Situation zu beruhigen.«


Rads rechte Fanszene


Rads »United Force«-Ultras sind bekannt für ihre rechtsradikale und ultra-nationalistische Weltsicht, die sie auf den Rängen des »Stadion na Banjici« immer wieder zum Ausdruck bringen. Auch beim Spiel gegen Partizan wurde die riesige, in den Vereinsfarben blau-weiß gehaltene Flagge mit einem SS-Totenkopf geschwenkt. 


Vor dem Block hatte die »United Force« wie üblich weitere Fahnen mit eindeutig rechter Symbolik befestigt. Neben einer abgewandelten Konföderierten-Kriegsflagge hing dort auch ein schwarzes, gleichschenkliges Keltenkreuz im weißen Kreis auf rotem Grund – in Deutschland als Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verboten, genau wie der SS-Totenkopf. Auch das Vereinslogo, der Hirtenstab, wurde im Stil der Hakenkreuzflagge Nazideutschlands dargestellt: schwarz, im weißen Kreis auf rotem Grund. 




Ebenfalls hing dort ein Porträt von Dimitrije Lotic auf rot-blau-weißem Grund. Lotic war Gründer und Chefideologe der faschistischen Partei »Jugoslawische Nationalbewegung Zbor« und Führer des serbischen Freiwilligenkorps während des zweiten Weltkriegs, das mit Nazi-Deutschland kollaborierte und eine serbische Hegemonie auf dem Balkan anstrebte. 


Eine Chronik von Rassismus und Gewalt


Die Mitglieder der »United Force« verehren ihn als Helden. Des Weiteren posieren sie auf Bildern von gemeinsamen Feiern in T-Shirts mit der Aufschrift »FCK RFGS«. Auch vor der Anwendung extremer Gewalt schrecken sie laut Berichten politischer Gegner nicht zurück. Und sie sind nicht die einzigen.


Die bekanntesten Bilder sind vermutlich jene aus Genua vom 12. Oktober 2010. Als Italien Serbien zum EM-Qualifikationsspiel empfängt, sitzt Ivan Bogdanov, Serbiens berühmtester Nazi-Hool und Anhänger von Roter Stern Belgrad, volltätowiert und vermummt mit einer Hasskappe auf dem Zaun. In einer Hand eine bengalische Fackel, in der anderen eine Zange, mit der er das Netz zur Tribüne zerschneidet. Nach sechs Minuten wird das Spiel abgebrochen, Italien gewinnt am grünen Tisch mit 3:0.


Vier Jahre später war »Ivan der Schreckliche« erneut an einem Spielabbruch beteiligt. Nachdem im Quali-Spiel Serbien gegen Albanien eine Drohne mit einer Flagge Großalbaniens ins Stadion gesteuert wurde, schafften es einige serbische Hooligans auf das Feld und begannen unter anderem mit Stühlen bewaffnet auf die albanischen Spieler einzuschlagen. Mittendrin: Ivan Bogdanov.