Rassismus im russischen Fußball

Die Welt zu Gast bei Feinden?

Spartak Moskau bezeichnet eigene schwarze Spieler als »Schokolade«. Russland ringt im WM-Jahr mit bekannten Rassismus-Problemen. Der Verband unternimmt wenig, die Fifa setzt auf drastische Maßnahmen.

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»Seht, wie Schokolade in der Sonne schmilzt.« Mit diesem Satz in russischer Sprache überschrieben, garniert mit drei lachenden Smileys und drei Schokoladen-Emojis, veröffentlichte der offizielle Twitter-Account von Spartak Moskau am Samstag ein Video auf Twitter. 

Darin trainieren die schwarzen Brasilianer Luiz Adriano, Pedro Rocha und Fernando im sonnigen Trainingslager in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Video selbst fällt der Satz ebenfalls, vermutlich vom russischen Spartak-Verteidiger Georgy Dzhikiya. Spartak hatte angekündigt, dass er an jenem Tag den Account betreuen würde.

Die eigenen (Mit)Spieler als Schokolade bezeichnen? So weit, so beschissen. Fand auch das Netzwerk FARE (Football Against Racism in Europe). »Das zeugt von einem schockierenden Level an Ignoranz«, kommentierte FARE-Chef Piara Powar. 

»Rassismus ist eines der größten Probleme Russlands.«

Spartak postete noch am selben Tag ein Video von Verteidiger Fernando, der sagt: »Bei Spartak gibt es keinen Rassismus. Wir sind eine freundliche Familie.» Später wurde der ursprüngliche Tweet gelöscht und ein weiteres Video veröffentlicht. Darin stehen die drei Brasilianer mit Kameramann Dzhikiya Arm in Arm. 

Er sagt: »Wir sind alle eine große Familie«, woraufhin Adriano auf Russisch anfügt: »Er ist mein Freund, mein Bruder. Eine Spartak-Legende. Ich liebe dich, mein Freund.« Dennoch: Dass so ein rassistischer Kommentar, der die Spieler auf ihre Hautfarbe reduziert, überhaupt auf dem offiziellen Klub-Account verbreitet wird, ist eine Schande. Und symptomatisch für das mangelnde Bewusstsein für und Engagement gegen Rassismus im WM-Gastgeberland. 

Ähnlich sieht es Powar: »Dass Russlands größter Klub rassistische Anspielungen wie diese toleriert und feiert, ist falsch.« Spartak ist amtierender Meister der russischen Premjer Liga. »Rassismus ist eines der größten Probleme, mit denen sich Russland im WM-Jahr konfrontiert sieht.«

»Es gibt keinen Rassismus in Russland.«

Womit er recht hat. Auch wenn der Anfang 2017 berufene Anti-Rassismus-Beauftragte des Russischen Fußballbunds (RFS), Alexej Smertin das nicht wahrhaben möchte. In einem BBC-Interview sagte der Ex-Chelsea-Profi 2015: »Es gibt keinen Rassismus in Russland, definitiv nicht. Und Sie wissen, dass er nicht existiert.« Eine krasse Fehleinschätzung.

Dazu nur zwei Beispiele vom selben Verein: Im vergangenen September verurteilte die Uefa Spartak zu einem Teilausschluss der Fans, nachdem Spartak-Fans in einem UEFA-Youth-League-Heimspiel gegen den FC Liverpool Stürmer Bobby Adekany mit »Affenlauten« diffamierten. Und Verteidiger Leonid Mironov beleidigte im Rückspiel den Liverpooler und englischen U17-Nationalspieler Rhian Brewster rassistisch.

Sie stehen in einer Reihe mit weiteren diskriminatorischen Vorfällen, die das FARE-Netzwerk gemeinsam mit dem russischen »SOVA Zentrum für Informationen und Analyse« im Juni 2017 in einer Studie mit dem Titel »A Changing Picture: Incidents of Discrimination in Russian Football 2015-2017« veröffentlicht hat. Das Zentrum forscht unter anderem zu Nationalismus, Xenophobie und politischem Radikalismus.