Rassismus im englischen Fußball

Das Krebsgeschwür

Während Englands Fußball-Offizielle zum aufflammenden Rassismus in den Stadien geflissentlich schweigen, könnten die (schwarzen) Spieler nun eigene Maßnahmen ergreifen.

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Für Arsenal-Legende Ian Wright steht fest: »Die schlechten alten Zeiten sind zurück!« Die jüngsten Rassismus-Vorfälle im englischen Profi-Fußball erinnern an die düsteren 1980er-Jahre, in denen Affenlaute und schlimmste Beleidigungen gegen dunkelhäutige Profis noch an der Tagesordnung waren. Und heute, im Jahr 2018? Da waren nicht nur die vier bis acht Chelsea-Fans, die Manchester Citys Nationalstürmer Raheem Sterling am vergangenen Samstag u.a. als »f…ende schwarze F...« beschimpften. Nur eine Woche zuvor hatte ein Tottenham-Anhänger dem Gabuner Pierre-Emerick Aubameyang vom FC Arsenal eine Bananenschale vor die Füße geschleudert. Der irische Nationalspieler James McClean vom Zweitligisten Stoke City wird sogar von den eigenen Fans regelmäßig als »irischer Bastard« beschimpft. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Der frühere ManU-Star Rio Ferdinand fordert die Profis in England nun öffentlich zu radikalen Gegenmaßnahmen auf: »Wollen wir weiterhin zulassen, dass es solch rassistische Vorfälle gibt? Und das nur wegen dieses Ballgetretes?«, fragte der dunkelhäutige Ex-Nationalspieler rhetorisch via Instagram. Adebayo Akinfenwa, dunkelhäutiger Stürmer des Drittligisten Wycombe Wanderers, antwortete ihm prompt und eindeutig: »Wir müssen das irgendwie stoppen.« Ferdinand lieferte im Gegenzug gleich eine Idee, wie: »Wenn schon die NFL-Spieler auf die Knie gegangen sind ...«

Ein grassierendes Problem

In der US-Football-Liga demonstrieren die Profis schon seit Jahren gegen Rassismus, indem sie während der obligatorischen Nationalhymne vor den Spielen niederknien und den Kopf senken. Urheber dieser Aktion war der afro-amerikanische Quarterback Colin Kaepernick von den San Francisco 49ers, den nach Ablauf seines Vertrages komischerweise kein Klub mehr beschäftigen wollte – aus rein sportlichen Gründen, wie es offiziell heißt. Kaepernick verließ die Liga, doch die Proteste sind bis heute geblieben, auch wenn sie zuletzt etwas abebbten. Die Liga, die um Fans und Sponsoren fürchtet, übt inzwischen massiven Druck auf ihre Profis aus. Politische Kontroversen sind halt schlecht fürs Image und fürs Geschäft.

Auch die englische Premier League steht nun im Zentrum einer riesigen Rassismus-Debatte. Schon seit Monaten diskutieren gerade die dunkelhäutigen Profis hinter den Kulissen über eigene Aktionen, um das grassierende Problem anzugehen. Auf ernst gemeinte Maßnahmen vonseiten der Verantwortlichen haben sie schließlich lange genug gewartet: »Wo ist denn Richard Scudamore (Premier-League-Chairman; Anm. d. Redaktion)? Wo ist denn Greg Clarke (Vorsitzender des nationalen Verbandes FA; Anm. d. Redaktion)? Wo ist Chelseas Vorstandschef? Sie hätten gestern Abend offen darüber reden sollen, dieses Problem muss von ganz oben aus angegangen werden«, schimpfte Herman Ouseley, Vorsitzender der Anti-Rassismus-Organisation »Kick It Out«, am Tag nach dem Spiel zwischen den »Blues« und ManCity (2:0). »Was in Chelsea passiert ist, zeigt, was im Fußball immer noch an der Tagesordnung ist.«

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Die Bosse der Gelddruck-Maschine Premier League verhalten sich derweil wie die berühmten drei Affen: bloß nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Offensichtlich fürchten die Marketingmanager, deren größte Zielmärkte ausgerechnet in Asien und Afrika liegen, vor allem um das Image ihres Produktes. Doch statt entschieden gegen die tumben Tendenzen auf den Rängen vorzugehen, um größeren Schaden zu vermeiden, versuchen die Liga-Bosse bislang, das Problem klein zu kochen.