Rassismus-Eklat in Serbien

Rot wegen Nachtretens

Wegen rassistischer Beleidigungen verlässt Everton Luiz von Partizan Belgrad weinend den Platz. Dann tritt die Vize-Präsidentin von Partizan Gegner FK Rad widerlich auf Facebook nach.

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90 Minuten rassistischer Beleidigungen gegen Everton Luiz, ein diskriminierendes Transparent, das fast zum Spielabbruch führt und ein brasilianischer Spieler, der das Feld unter Tränen verlässt: Das Belgrader Derby zwischen FK Rad und Partizan war ein erneuter Tiefpunkt im serbischen Fußball (11freunde.de berichtete).


Der serbische Fußballverband hat das Stadion von Rad als Konsequenz vorläufig von der Austragung von Spielen ausgeschlossen, bis ein endgültiges Urteil über die Vorkommnisse gefällt ist. Das scheint Jelena Polic, Vizepräsidentin des FK Rad, ganz und gar nicht zu gefallen. Die 25-jährige ließ sich in einem Facebook-Post zu den Ereignissen aus – und entblößte ihre menschenverachtende Weltsicht.


»Die Angelegenheit rund um den großen Spieler Everton Luiz ist traurig und voreingenommen«, verkündete sie, denn es werde nicht berichtet, »wie oft die Heulsuse unseren Mittelfeldspieler Nikola Drincic während des Spiels beleidigt hat.« Täter-Opfer-Umkehr vom Feinsten. Die bestätigte in der Zwischenzeit auch Drincic, der die angeblichen Beleidigungen dementierte und sich so gegen seine Vize-Präsidentin stellte.


»Wir sind ja alle Nationalisten und Rassisten«


Polic hatte aber noch nicht genug: »Everton Luiz hat außerdem unseren Spieler Vladimir Rodic geschlagen und unseren Fans den Mittelfinger gezeigt.« Luiz gestreckter Mittelfinger war eine Reaktion auf die fortwährenden rassistischen Ausfälle der Rader Fans. »Aber wir sind ja alle Nationalisten und Rassisten«, kommentierte Polic. 


Anschließend bewies sie eindrücklich, dass diese vermutlich ironisch gemeinte Aussage auf sie voll und ganz zutrifft: »Es ist offensichtlich, dass mehr Menschen andere als ihre eigenen respektieren und noch stolz darauf sind, sieben Aliens in ihrer Startformation zu haben. Und dann auch noch auf falsche Tränen und einen falschen Zeugen hereinfallen, der sagt: »Ich liebe Serbien und erlebe es als mein Zuhause.« Ich sage ihm: Mein lieber Freund, geh du einfach zurück in dein schönes Brasilien, heb deine dunklen Finger und schwöre auf die brasilianische Mutter, dann ist alles in Ordnung.«


Den mittlerweile gelöschten Post schloss sie mit den Worten »NO TO RACISM«, gefolgt von fünf lachenden Smileys. Ein eindeutiges Statement, das auch erklärt, warum die rassistischen und neo-nazistischen Tiraden der Anhänger von FK Rad keine Konsequenzen von Seiten des Vereins haben werden: Die Verantwortlichen sind Teil des Problems.