Rapids verrückte Weihnachtsgala

Teambuilding auf der großen Bühne

Doch nicht jedem Gast erschloss sich das Konzept der Weihnachtsgala auf den ersten Blick. Glenn Walters, Rapids Verantwortlicher für die englischsprachige Klub-Homepage, besuchte die Veranstaltung 2009 zum ersten Mal. Als zu vorgerückter Stunde sein Landsmann Cat Stevens, alias Yusuf Islam anmoderiert wurde, offenbarten die Augen des Engländers jene Verzückung, die nur echte Fans erfassen kann. Doch als der vermeintliche Weltstar die Bühne betrat, witterte Walters Betrug. Er sprang auf und rief sichtlich empört: »Hey, that’s not Cat Stevens!« Es war viel mehr Rapids damaliger Torwart und heutiger Torwarttrainer Helge Payer, der Stevens ziemlich gekonnt imitierte.



Teambuilding auf der großen Bühne 

Im Laufe der Jahre gab es viele legendäre Acts bei der grün-weißen Weihnachtsgala. Und nicht alle waren »Fälschungen«: Auch echte Stars wie Seiler und Speer traten schon dort auf. Einmal sang sogar der leibhaftige Rainhard Fendrich sein »I am from Austria«. Weil das Wort »Austria« jedoch zu sehr an den ungeliebten Lokalrivalen erinnert, hatte Fendrich den Refrain eigens für diesen Abend umgetextet und intonierte: »... jedoch für eich da sing ich’s neich (neu) – ich komm aus Österreich!« Alle im Saal – Fans, VIPs, Mannschaft, Trainerteam, Präsidium und Sponsoren – standen johlend auf ihren Stühlen. Selbst die Kellner applaudierten sich die Hände wund.

Für Rapids Spieler hatten die gemeinsamen Auftritte und die intensiven Proben einen äußerst positiven Nebeneffekt, wie Kapitän Hofmann einmal verriet: »Wenn man sich nach dem Training trifft, um den Gesang einzustudieren, sich Kostüme überlegt und anschließend gemeinsam mit mörderischem Bauchgrummeln auf die Bühne geht, dann ist das tolles Teambuilding.« Und vielleicht hätte der sportlich strauchelnde Traditionsklub genau das in diesem Jahr gebraucht, um wieder in die Nähe der internationalen Startplätze zu gelangen.

Ob die schrille Show im kommenden Jahr wieder steigen wird, scheint mehr als fraglich. Eine Rückkehr in die »Eventpyramide Vösendorf«, jenes herrlich-hässliche Architektur-Monstrum aus den 80er-Jahren (der Name lässt die Form erahnen), ist ziemlich ausgeschlossen. Die Saalmiete sei zu teuer geworden, erzählen Klub-Insider. Kulturpessimisten sehen das Schicksal der wunderbaren Weihnachtsgala bereits besiegelt.