Rapids verrückte Weihnachtsgala

Anzug und Schlips statt Pavarotti

Nirgends sonst und nie zuvor hat sich ein Profiteam so »zum Affen« gemacht wie die Rapidler alle Jahre wieder. Die Spieler probten die Nummern oft wochenlang, bis zur vermeintlichen Perfektion. Und die Fans fieberten der Feier schon Monate im Voraus entgegen. Künftig, so fürchten viele, wird es das Spektakel wohl nicht mehr geben. Angeblich schien die Selfmade-Show manch einem im Klub etwas aus der Zeit gefallen. Andererseits: Vielleicht waren die Tickets gerade deshalb meist innerhalb von Minuten vergriffen.

In diesem Jahr, so ließ die Vereinsführung durchsickern, passe das Ganze nicht recht ins Stimmungsbild. Rapid, als selbst ernannter Titelkandidat in die Saison gestartet, taumelt angeschlagen im Mittelfeld der österreichischen Bundesliga umher. Sportdirektor Müller und Trainer Mike Büskens mussten im November gehen. Doch auch unter dem neuen Coach Damir Canadi läuft es nicht rund. In der Europa League flog man ebenfalls raus. Einen Sportdirektor sucht man noch.

Schlips statt Kostüm

Braucht man in solch einer Situation wirklich Bilder von Fußballern, die Conchita Wurst imitieren und virale Videos von Trainern, die auf der Bühne ihre E-Gitarren zerdeppern? Bloß nicht!, befanden die Bosse.

Hinzu kam, dass Rapid die Weihnachtsfeierlichkeiten 2016 aus wirtschaftlichen Gründen im nagelneuen, klubeigenen Stadion veranstalten wollte. Der VIP-Bereich der 28.000-Zuschauer-Arena ist zwar großzügig bemessen, aber bei weitem nicht so geräumig wie die »Eventpyramide Vösendorf«, wo das Happening in der Vergangenheit stattfand. Also beschloss der Klub, in diesem Jahr statt einer großen Gala zwei kleinere Weihnachtsfeiern abzuhalten: eine am 13. Dezember für Sponsoren und eine am 19. Dezember für Mitglieder. Die Spieler kommen auch – aber alle im Anzug, keiner im Conchita-Kostüm.

Und so bleibt den Freunden der abgefahrenen Bühnen-Darbietungen nur die Erinnerung an vergangene Jahre: 2009 erntete der ansonsten eher unbeliebte Coach Peter Pacult (mit ihm gewann Rapid 2008 die bislang letzte Meisterschaft) stürmischen Applaus, als er mit angeklebtem Vollbart, Fatsuit unterm Smoking und spürbarer Inbrunst ein Pavarotti-Playback performte. Keine österreichische Zeitung erschien daraufhin ohne ein großformatiges Foto des Trainer-Tenors.