Rapids verrückte Weihnachtsgala

Schräge Weihnachten bei Rapid Wien

Verkleidete Fußballer, die vor den Fans Karakoke singen: Rapids Weihnachtsshow ist legendär. Warum fällt sie dieses Jahr aus?

imago

Im vergangenen Jahr war die adventliche Stimmung bei Rapid noch ungetrübt. Die Mannschaft belegte eingangs der Winterpause Platz drei, man stand in der K.o.-Phase der Europa League. Und der damalige Sportdirektor Andreas Müller machte bei der traditionellen Weihnachtsgala des Klubs auf Robbie Williams – mit Toupet, Zebrafell-Jackett und ungefiltertem Livegesang.

Dass der frühere Schalke- und Hoffenheim-Manager Müller bei »Entertain you« ins Mikrofon krächzte wie eine Straßenkatze im Stimmbruch, konnte der Begeisterung im Saal nichts anhaben. Im Gegenteil: Genau für solche schrägen Showeinlagen hatten die 1.700 Gäste je 60 Euro Eintrittsgeld hingeblättert. Ein Vier-Gänge-Menü und ein Willkommens-Getränk wurden, quasi als Beilagen, dazu serviert.

Keine Bühnenvergewaltigung in diesem Jahr 

In diesem Jahr fällt die Weihnachtsgala aus! Nun ja, nicht die komplette Veranstaltung, aber jener Teil, der die Fans in vergangenen Jahren feiern ließ: die schrecklich-schrillen Auftritte der Fußballer, Trainer und Funktionäre als schief singende Rock- oder Popstars, die in »Kiss«-, »Elvis-« oder »Lady-Gaga«-Kostümen die Bühne vergewaltigten.

Die Galagäste, größtenteils ganz normale Anhänger des Klubs, hielten sich dabei stets die Bäuche vor Lachen, oder sie tobten vor Begeisterung. Die Nähe, die an diesen Abenden zwischen Profis und Publikum entstand, war irgendwie einzigartig im modernen Fußball. Viele Anhänger verstanden die Show ihrer Kicker als besonderen Dank für die unermüdliche Unterstützung im Stadion. Und so war das Ganze ja auch gedacht.

Werder Bremens Sommer-Neuzugang Florian Kainz kann sich noch lebhaft an die letztjährige Gala-Ausgabe erinnern. Da hockte er zwischen dem deutschen Rapid-Kapitän Steffen Hofmann und Verteidiger Christopher Dibon auf der Bühne und war nervös wie ein Schulbub. Das Trio hatte Rainhard Fendrichs Austropop-Hit »I am from Austria« zu einer Rapid-Hymne umgedichtet und gab das Stück, über alle stimmlichen Wackler hinweg, tapfer zum Besten. Bei Dieter Bohlen wären die drei schon nach wenigen Sekunden von der Bühne geflogen. Doch die Rapid-Fans bejubelten den Vortrag wie ein 4:0 im Derby.