Rapid-RB: Droh-SMS und ein parteiischer Sportminister

Die Wiener Seifenoper

Am Sonntag gewann RB Salzburg gegen Rapid Wien. So weit, so unspektakulär. Hätte nicht Salzburgs Stefan Maierhofer Droh-SMS erhalten, Rapid eine krude Entschuldigung formuliert und der Sportminister die Ruhe bewahrt. So aber wurden wir Zeuge einer grotesken Seifenoper.

Für Norbert Darabos läuft es momentan nicht gut. Der Verteidigungsminister Österreichs musste schon Anfang Mai eine blöde kleine Niederlage hinnehmen. Es ging um die Bewirtschaftung eines Truppenübungsplatzes in Allentsteig. Die örtlichen Bauern kämpften um niedrige Pachtzinsen und haben nun eine Einigung zu ihren Gunsten erzielt.

Norbert Darabos beackert allerdings auch andere Felder. Er ist nebenher Sportminister. Und eigentlich könnte man annehmen, dass es für ihn da keine Niederlagen geben kann, schließlich sollte er in dieser Funktion per se unparteiisch sein. Doch am vergangenen Wochenende verlor Rapid Wien gegen Red Bull Salzburg und Darabos vergaß kurz, dass er eben nicht Fan, sondern Minister ist. Er nannte das harte Spiel von Red Bull Salzburgs Stefan Maierhofer »eine gemeingefährliche Unart«. In der »Kronen Zeitung« wird er außerdem mit diesem Satz zitiert: »Ein Spieler, der zweimal hätte Rot sehen müssen, entscheidet die Meisterschaft. Ich bin Präsident eines siebenklassigen Vereins. Wenn bei uns ein Schiedsrichter so pfeift, dann kann ich für nichts garantieren.« Darabos ist übrigens nicht nur Verteidigungs- und Sportminister. Er ist auch Kuratoriumsmitglied bei Rapid.     

Aber von vorne: Am 33. Spieltag der österreichischen Bundesliga traf der Erste auf den Zweiten, Red Bull Salzburg auf Rapid Wien, Retorte auf Tradition, und Stefan Maierhofer wusste, was ihm im Wiener Hanappi Stadion blühen würde. Der Stürmer spielte einst bei Rapid und erzielte dort 31 Tore in 49 Spielen. Seit 2011 steht er allerdings in Salzburg unter Vertrag. Nichts sprach für ein herzliches Wiedersehen, indes alles für einen Spießrutenlauf.

»Es ist wichtig, positive Arschlöcher in der Mannschaft zu haben«

Im Spiel kam es zu einigen unschönen Szenen, doch für die unsportlichste sorgte Maierhofer selbst. Er bodycheckte Rapid-Keeper Lukas Königshofer und er streckte Gegenspieler Harald Pichler mit seinem Ellenbogen nieder. Maierhofer bestritt jede Absicht, und auch RB-Trainer Ricardo Moniz sah keinen Grund für eine Entschuldigung. In der »Kronen Zeitung« wird er mit den Worten zitiert: »Es ist wichtig, einige positive Arschlöcher in der Mannschaft zu haben.«

Was an den Aktionen »positiv« sein sollte, konnte in Wien niemand verstehen. Die Rapidler droschen von allen Seiten auf den RB-Stürmer ein. »Maierhofer war von Anfang an aufgezuckert. Es hat keinen direkten Anlass für den Check gegeben«, sagte Pichler. Laut Kronen Zeitung geigten ihm auch Rapids Fanservice-Chef Andy Marek und Pressechef Peter Klinglmüller die Meinung. Und Rapid-Präsident Rudolf Edlinger sagte nach dem Match: »Was willst du tun, wenn der Referee zu viel Red Bull trinkt?« Schiedsrichter Robert Schörgenhofer, der im Spiel neun Gelbe Karte verteilte, sagte nichts.

Maierhofer schien all das herzlich wenig zu interessieren. Er sagte: »Fußball ist Männersport.« Und er präsentierte nach dem Schlusspfiff ein T-Shirt mit der Aufschrift »Stefan is all in«. Als ein Reporter anmerkte, dass er eigentlich gar nicht mehr auf dem Feld hätte stehen dürfen, antwortete er: »Hätti, wari, täti.« Hätt' ich, wär' ich, tät' ich.

»Das lasse ich mir nicht gefallen, Freunde der Sonne!«

Rapid Wien antwortete Stefan Maierhofer am Dienstag in einem offenen Brief. Darin heißt es unter anderem: »Nichtsdestotrotz steht es der SK Rapid nicht an, sich bei Deiner sehr geschätzten Mutter zu entschuldigen. Dies geschieht wohl wissend, dass die unsäglichen Sprechchöre, die ausnahmslos nach Deinen Provokationen durch das Stadion geschallt sind, nicht den Zweck hatten, Deine Frau Mama zu beleidigen. Es ist und bleibt aber so, dass Choräle dieser Art in keinem Stadion der Welt zu hören sein sollten, egal wie der Empfänger sie provoziert.«

Stefan Maierhofer hat noch nicht wieder reagiert. Via Twitter hat er zuletzt die legendäre Wutrede von Stefan Effenberg gepostet. Diese endet mit den Worten: »Das lasse ich mir nicht gefallen, Freunde der Sonne!«

Das riecht stark nach einer Fortsetzung. Dann mit Mama Maierhofer im Jeanne-D'Arc-Kostüm, Fips Asmussen als Stefan Kulovits und Stefan Maierhofer als Red-Bull-Dose. Titel der Geschichte: »Hätti wari täti.« Ach, und wann meldet sich eigentlich Dritte-Halbzeit-Fan Norbert Darabos zurück?