Ramelow kommt zurück! Wer noch?

Angst vor der Fußballschule

Seit gestern ist es offiziell: Carsten Ramelow kommt wieder, er tritt zurück vom Rücktritt. Und wir sagen selbstverständlich: »Welcome back, Alter!«. Und bring den Nowotny gleich mit, den Ricken und den Ailton. Das wäre doch was. Ramelow kommt zurück! Wer noch?imago images
Als die Nachricht von Ramelows Rückkehr gestern durch die Ticker der Agenturen ratterte, sodann durch die 11FREUNDE-Redaktionsräume geisterte, brachen die Dämme. Selbst bei den hart gesottenen Herren, bei denen, die beim betrieblichen Dienstagsfußball mit gestreckten Beinen und Schraubstollen in die Achillessehnen von unbedarften Praktikanten springen, kullerten die Freudentränen. Sogar dann noch, als ein schlaumeierischer Querulant in die schunkelnde Runde rief: »Loooite, der Carsten, der spielt nur für die zweite Mannschaft von Bayer«. Es tat der Silvester- und Knallbonbonstimmung keinen Abbruch.

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Stunden nach dem unerwarteten Gefühlsausbruch stand aber plötzlich die Frage im Raum: Was hat Carsten Ramelow eigentlich in der Zeit zwischen Rücktritt und Rücktritt vom Rücktritt gemacht? Kam er nach Hause und fand einen wuchernden Rasen im Garten, der dringend gemäht werden musste? Traf er seine Freundin mit fünfundzwanzig Freundinnen vor der verspiegelten Glasschrankwand mit Prosecco sitzen und damit beschäftigt die achtundneunzigste Folge von »Sex and the City« in den DVD-Player zu schieben? Oder saß dort doch nur sein Dackel und stupste mit seiner Schnauze die Spielsteine vom »Mensch ärgere dich nicht« vom Tisch? Wir wissen es nicht. Eines indes scheint klar: Die Post-Profi-Zeit ist kein Zuckerschlecken. Bevor sie einen schnappt, aufsaugt und nicht wieder los lässt, bevor man eine Fußballschule in Nord-Wedding aufmacht, einen Kiosk in Herne-Süd eröffnet, von »9Live« Anfragen für ein neues, nie da gewesenes Quizformat erhält, kehrt man lieber dorthin zurück, wo alles begann: auf den Rasen. Es ist die Geschichte von »Home is where the heart is«, die alte Geschichte. Schön wäre nur gewesen, wenn Carsten ein paar alte Freunde mitgebracht hätte. Zum Beispiel:

Jens Nowotny Vier Kreuzbandrisse und kein Titel. Dafür jede Menge Kohle. Das war, könnte man unken, die Karriere des Jens Nowotny. Aber das wäre natürlich boshaft. In seiner besten Zeit war Jens Nowotny der beste deutsche Innenverteidiger, auch wenn Christian Wörns diese Einschätzung jetzt vielleicht »link und unählisch« findet und man, immer noch boshaft, einwenden könnte, dass dies nun auch nicht gerade die Blütezeit der deutschen Abwehrschule gewesen sei. Vor allem aber war Jens Nowotny der teuerste Innenverteidiger, denn in finanziellen Angelegenheiten ließ er nur selten etwas anbrennen und verklagte schon mal seinen Verein, wenn ihm bei Gehalt, Handgeld oder, noch häufiger, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, etwas nicht passte. Die großen Spiele hat er wegen Verletzungen meist verpasst. Karlsruhes 7:0 im Europa-Cup ebenso wie das DFB und das Champions League Finale mit Bayer Leverkusen. Irgendwie kann das noch nicht alles gewesen sein. Wir für unseren Teil jedenfalls würden nur zu gerne erneut in Tränen der Rührung ausbrechen, wenn Nowotny und Ramelow es auf ihre alten Tage allen noch mal so richtig zeigen.

Ailton Über die »Bild«-Zeitung brachte sich Ailton kürzlich bei Werder Bremen ins Gespräch. Wo auch sonst. Ailton, jene Quadratur des Stürmers, empfahl sich. Wieder einmal. Eine mehrstündige Google-Recherche ergab, dass sich der Brasilianer momentan in der Ukraine aufhält. Dort will Ailton natürlich weg, weil – wieder einmal – niemand seine Genialität erkennen mag; ganz so wie damals bei Besiktas, in Belgrad, wie beim HSV, in Duisburg, bei Schalke. Dabei ist es doch so einfach: »Wenn ich Trainer wäre und hätte einen Ailton in der Mannschaft, würde Ailton immer 90 Minuten spielen.« Einen Strich durch Ailtons Werder-Comeback-Pläne machte ausgerechnet sein ehemaliger kongenialer Partner Claudio Pizarro. Doch fast zeitgleich mit Werders Pizarro-Verpflichtung wurde bekannt, dass auch Ailton einen neuen Verein gefunden hat: Er heißt Cashpoint SC Rheindorf Altach. In welcher Liga dieser Verein spielt, wird Ailton ziemlich egal sein. Hauptsache der erste Teil des Namens hält, was er verspricht. Und falls es nicht läuft in jenem Cashpoint, einem kleinen 2000-Seelen-Dorf in Usbekistan, böte sich ein Wechsel zu Hoffenheim an – denn da flowt er auch, der Cash. Hat Ailton sich sagen lassen.

Lars Ricken Er war ja eigentlich nie weg. Nachdem sein Profivertrag zum 31. Dezember 2007 aufgelöst wurde, absolvierte Ricken ein Trainee-Programm in der BVB-Geschäftsstelle, im Juli 2008 wurde er zum Nachwuchskoordinator befördert. Zugleich spielt er im Moment noch für die zweite Mannschaft des BVB, insgeheim hofft er aber auf eine Rückkehr in den Profibereich. Die Chancen stehen nicht so schlecht für den 32-Jährigen, denn wenn die neue BVB-Wundertüte Mohamed Zidan auch unter Ziehvater Klopp weiter stolpert, wenn die Lücke, die Petric hinterlässt, doch zu groß ist, dann wird sie schlagen, die Stunde des Lars Ricken – wie so häufig in der Vergangenheit. Und wenn dann die Saison gut läuft, wenn Monica Lierhaus wieder Jörg Wontorra heißt, die »Sportschau« wieder »ran«, wenn Ricken wieder ein Tor aus 30 Metern schießt, dann, ja dann heimst er am Ende sicherlich und endlich seinen siebzehnten »Fuxx« ein – Kategorie: »Bester Nachwuchsspieler«. Auch wenn Wladimir But einst behauptete: »Lars Ricken spielt nie gut!«

Jens Jeremies Als Logenbesitzer im Münchner Stadion heute nicht mehr für zerfurchten Rasen, sondern die Scheißstimmung verantwortlich. Erklärte einst Patrick Vierra die Bedeutung der Mittellinie (»Hier drüben aua, da drüben gut«). Das Knie erzwang vor zwei Jahren das Karriereende des heute erst 34-Jährigen. Aber: Das kriegt Klinsmann doch wieder hin! Außerdem mit einem für einen Fußballprofi erstaunlichen Lebensmotto ausgestattet: »Man muss die Feste feiern wie sie fallen und es nicht von Sieg oder Niederlage abhängig machen!«

Fredi Bobic In der Redaktion geht das Gerücht um, Bobic wurde eines Tages im Herbst 2007, bei einem sehr bedeutenden Hallenturnier in Berlin-Spandau von einem 11FREUNDE-Praktikanten getunnelt. Zwischen Tür und Angel im Duschtrakt gerüchtete es damals, dass Bobic sich noch im Laufe des Abends mit Spielerberatern von Hertha BSC treffen würde. Nun, die Klasse hätte er, denn Tunnel hin oder her, die Schüsse des Herrn Bobic bei jenem sehr bedeutenden Hallenturnier zerrissen nicht nur die Maschen des Tornetze, sondern führten auch dazu, dass sich die Torhüter der Gegner in Hockey-Torwart-Montur zwischen die Pfosten stellten. Dennoch stehen die Chancen, realistisch betrachtet, mäßig, zumal auch Bobic vor ein paar Jahren schon konstatieren musste: »Die Bundesliga hat Angst vor mir. Ich gelte seit meiner Zeit bei Hertha BSC als unbequemer Spieler.«