Ralph Gunesch, Fußballprofi und Denker

»Rechts außen? Nur im 4-3-3!«

Im August 2013 kommt er wieder aus der Fußballprofiblase heraus. Bei einem Spiel bei 1860 München wird Guneschs dunkelhäutiger Mitspieler Danny da Costa von Löwen-Fans rassistisch beschimpft. Nach dem Spiel schreibt Gunesch über Facebook: »Labert mit eurem rassistischen Müll euren Wandteppich voll!« Und: »Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!« Das Echo ist überwältigend, mehr als 12 000 Fans liken sein Posting, wenige Stunden später rufen die ersten Jour­nalisten an. Gunesch kann kaum glau­-ben, was  passiert. »Ich bin ja ein recht klei­nes Licht im Fußballbetrieb«, sagt  er. »Ich hätte nie gedacht, dass mir so viele Leute zuhören.«

Dabei ist die Sache eigentlich ganz klar: Sie hören dem Spieler zu, weil er keine Erfindung von Marketingstrategen ist wie Hans Sarpei. Er ist kein Name für vorformulierte Anti-Rassismus-Phrasen. Er ist nicht das Gesicht eines Konzeptpapiers der Verbände. Er ist einfach er, Ralph Gunesch, eine reale Person, ein Fußballprofi, ein 30-jähriger Mann mit einem Anliegen.

Kritik am DFB

Gunesch begreift, dass er selbst als Zweitligaprofi eines Vereins mit geringer Strahlkraft eine besondere Position innehat. Als er einen kranken Hund adoptiert, schreibt er über seine Erfahrungen genauso wie er den DFB kritisiert, als dieser beim Nationalmannschaftstraining im Millerntor ein antifaschistisches Banner »neutralisieren« lässt. Wieder bekommt er Zustimmung. Wieder diskutieren die Fans. In Ingolstadt hat er den Verantwortlichen am Anfang erklärt, wie er tickt. Der Verein hat gesagt, wichtig sei natürlich auf’m Platz, doch letztendlich ist der Klub auch froh, dass da mal ein Spieler ist, der die Verhältnisse ungefiltert reflektiert. Gunesch gibt dem FCI ein Gesicht. Nach dem Da-Costa-Vorfall hat der Verein gemeinsam mit dem Spieler Anti-Rassismus-Shirts entworfen. »Rechts außen? Nur im 4-3-3!« steht drauf.

Trotzdem: Ist Ingolstadt, CSU-Stadt, tiefstes Bayern, nicht auch ein kleiner Kulturschock? Natürlich sei es keine Metropole, sagt Gunesch da, doch es gebe ja auch den Ralle, der die Ruhe schätzt. In Hamburg sei er nicht dauerhaft auf St. Pauli, sondern viel an der Elbe oder im Nienstedter Hirschpark, der sich unweit seiner Zweitwohnung befindet. Und in Ingolstadt setzt er sich oft ins Auto und fährt einfach los. Ein bisschen abschalten, ein bisschen nachdenken. Nur die Straßen, die bayrischen Kuhweiden, das Geräusch des Motors und er.