Rafael van der Vaart in der Sinnkrise

Regisseur im falschen Film

Was ein Mensch unbedingt will, ist nicht unbedingt immer das Beste für ihn. Diese Erfahrung macht derzeit Rafael van der Vaart. Sein erklärter Traumverein Real Madrid erweist sich als Sackgasse seiner Karriere. Was nun? Rafael van der Vaart in der Sinnkrise   Imago Im vergangenen August wähnte sich Rafael van der Vaart am Ziel aller Wünsche: Spanien, Real Madrid, Champions League, die ganz große Fußball-Bühne. Die Bundesliga und der Hamburger SV schienen für die Ansprüche des niederländischen Nationalspielers endgültig zu klein geworden. Er wollte richtig durchstarten, eine Weltkarriere hinlegen.

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Inzwischen ist der Traum geplatzt. Seit Monaten bleibt dem einstigen Regisseur im königlichen Starensemble nur die Statistenrolle. Ganze sieben Minuten durfte van der Vaart in den vergangenen vier Spielen der Primera Division gegen den Ball treten. Der Aufschwung der Madrilenen, die zehn der letzten elf Spiele gewannen und sich in der Meisterschaft bis auf sechs Punkte an Spitzenreiter FC Barcelona heranpirschten, fand ohne ihn statt. Sein Stammplatz ist die Bank. Die Fans nehmen kaum Notiz von ihm, auch die spanischen Medien haben van der Vaart bereits abgeschrieben. Die Eroberung Madrids ist fehlgeschlagen.

Der teuerste Einkauf des Sommers

»Wenn man in einem großen Team wie Real Madrid spielt, muss man mit solchen Situationen klar kommen. Ich will mich hier weiterhin durchsetzen«, meint der 26-Jährige, der sich den Königlichen vor der Saison für eine Ablösesumme in Höhe von rund 15 Millionen Euro angeschlossen hatte. Van der Vaart war damit Reals teuerste Einkauf des Sommers. Vielleicht liegt darin das erste große Missverständnis begründet. Für einen Klub, der im Vorjahr rund 120 Millionen Euro in die Mannschaft gepumpt hatte, sind 15 Millionen nicht gerade viel – und vor allem keine Stammplatzgarantie.

Reals damaliger Trainer Bernd Schuster hatte van der Vaart als Ersatz und allenfalls als Ergänzung zu Wesley Sneijder eingeplant. Als van der Vaarts Kollege aus der Elftal zu Beginn der Saison verletzungsbedingt ausfiel, trumpfte er mit vier Toren in den ersten drei Spielen auch groß auf. Dann begann der Abstieg. Unter Schusters Nachfolger Juande Ramos spielten beide Niederländer zuletzt nicht mehr regelmäßig.

Spätestens am 5. Juli dürfte sich van der Vaarts Situation weiter verschärfen. Dann wählt Real einen neuen Präsidenten. Wie bei spanischen Topklubs üblich, dürften die Kandidaten neben einer rosigen Zukunft vor allem neue Stars versprechen, die die Fußball-, Glamour- und Entertainment-Maschine aus Madrid nur zu gern gierig verschlingt. Auch van der Vaart selbst stillte diesen Hunger einst, wird zur kommenden Saison aber wohl auf die Abschussliste rücken.

Doch die Suche nach einem neuen Arbeitgeber dürfte sich schwierig gestalten. Zum einen hat van der Vaart noch nicht aufgegeben, zum anderen soll er ein Netto-Gehalt von jährlich 3,5 Millionen Euro kassieren – gerade in Zeiten der weltweiten Finanzkrise zu viel für die meisten Interessenten.

Auch für den HSV. Dort liebäugelte Trainer Martin Jol zuletzt kurz mit einer Rückholaktion. Unabhängig von der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit, ist aber wohl auch van der Vaart derzeit nicht an einem zweiten Engagement in Hamburg interessiert. »Das ist kein Thema«, meint der Niederländer und drückt weiter die Bank. Regie führen bei Real andere.