Pro und Contra zum Modeste-Verbleib

Es geht ums Prinzip

Der 1. FC Köln hat dem Drängen aus China nicht nachgegeben - Anthony Modeste bleibt. Richtig so, sagen die einen. Kaufmännischer Wahnsinn, sagen die anderen. Wir lassen beide Seiten zu Wort kommen.

imago images

PRO

»Halt mir die Leute vom Hals. Einmal nein heißt nein«, soll Jörg Schmadtke gefleht haben, als er mit Tianjin-Trainer Fabio Cannavaro telefonierte. Anthony Modeste ist für die Kölner zurzeit nicht zu verkaufen. Für kein Geld der Wert und erst recht nicht für 50 Millionen Euro. Denn eine Lebensversicherung verkauft man nicht.

40 Sekunden benötigte Anthony Modeste, um sein erstes Pflichtspieltor für den 1. FC Köln zu schießen. Seitdem hat der Stürmer nicht an Wert verloren. 15 Tore im ersten Jahr sorgten dafür, dass die Kölner als Neunter ihre beste Saison seit 24 Jahren spielten. Damals hatte Frank »Mach et, Otze« Ordenewitz die Geißböcke auf den vierten Tabellenplatz geschossen und war anschließend als einer der ersten Deutschen nach Japan gewechselt.

Bedinungslose Kapitulation

In diesem Jahr sind die Europapokalnächte wieder in greifbarer Nähe. Weil Modeste trifft. Zwei Punkte trennen Köln derzeit von der Europa-League-Qualifikation, zumal sich bei einem DFB-Pokalfinale zwischen Dortmund, Bayern oder Frankfurt ein weiterer Qualifikationsplatz auftun würde. Kurz gesagt: es sieht nicht schlecht aus. Wenn da nicht die Chinesen und ihre Millionen wären.

Denn Jörg Schmadtke und Peter Stöger wissen um die Abhängigkeit des Kölner Kaders von Anthony Modeste. 17 Tore schoss er in dieser Bundesligasaison - mehr als die Hälfte aller erzielten Treffer. Auch mit ihm ist nicht klar, ob es für Europa reichen wird. Ein Modeste-Transfer aber wäre der bedingungslosesten Kapitulation seit Hirohitos Handschlag gleichgekommen. Auch das wussten die Verantwortlichen: »Es geht um Seriosität und Glaubwürdigkeit gegenüber Sponsoren, Fans und der eigenen Mannschaft.«

Es geht ums Über-Über-Übermorgen

Einen adäquaten Ersatz für Modeste zu finden, wäre bereits im Wintertransferfenster so lustig geworden wie ein ungesicherter Sprung vom Colonius. Am 28. Februar ist dieses Unterfangen schon allein rechtlich unmöglich. Köln würde in der kommenden Saison nicht nur nicht international spielen, der Verein hätte es nicht einmal versucht. Neben den fehlenden Wettbewerbseinnahmen dürften Sponsoren ihr Engagement reduzieren, weniger Zuschauer ins Stadion kommen, Transfers schlechter zu realisieren sein. Das ist keine 50 Millionen Euro wert.

In einer Stadt, in der eine als Schwalbe verkleidete Meise schon einen Sommer auslösen kann, hat Jörg Schmadtke einen langfristigen Blick bewiesen. Ohne romantische Verklärung. »Jetzt ging‘s erst mal um das Hier und Jetzt, nicht ums Über-Über-Übermorgen.«, erklärte Schmadtke. Doch genau darum geht es.

»Macht et jut, Anthony«

Ein Modeste-Transfer für chinesische Millionen scheint also weiter möglich. Tianjin hat sich für ein halbes Jahr mit dem brasilianischen Leihspieler Junior Moraes verstärkt. Mit der Europa League, der Begeisterung von Fans und Sponsoren im Rücken und dem Geld eines China-Transfers könnte Schmadtke den Verein auf ganz neue Beine stellen. Auch ohne Modeste.

Dann wäre aus mehreren Schwalben ein ganzer Sommer geworden. Und die Kölner riefen ihrer Lebensversicherung zu: »Mach et, Anthony. Macht et jut«.