Premier League sticht Serie A aus

Scheichs-Berlusconi 1:0

Insgesamt ließ die italienische Serie A 450 Millionen Euro auf dem Transfermarkt, die englische Premier League dank der Öl- und Gasreserven in Abu Dhabi und Russland etwas mehr. Ein Kommentar von Birgit Schönau. Premier League sticht Serie A ausImago Premier League schlägt Serie A - aber knapp, sehr knapp. Den Siegtreffer schoss in allerletzter Minute Manchester City, das am Montag Abend kurz vor Schluss für 40 Millionen Robinho verpflichtete. Wenige Stunden zuvor hatten sich noch die Italiener mit knapp 20 Millionen für Quaresma nach vorn gebracht, der von Porto zu Inter Mailand wechselte. Insgesamt ließ Italien 450 Millionen Euro auf dem Transfermarkt, England dank der Öl- und Gasreserven in Abu Dhabi und Russland aber noch etwas mehr. Die spanische Liga und die Bundesliga können da nicht mithalten.

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Vielleicht auch deshalb, weil sie keine Regierungschefs aufbieten können wie Silvio Berlusconi. Der lud Chelseas Besitzer Roman Abramowitsch an einem blauen Augusttag zum Mittagessen nach Sardinien ein. Abramowitsch fuhr mit seiner Riesenyacht vor, zahlte aus der Portokasse die fällige Luxus-Hafensteuer an Sardiniens linke Inselverwaltung, »und dann«, behauptete Berlusconi, »haben wir natürlich nicht über Fußball geredet«. Sondern über Kakteen, Berlusconis zweites Steckenpferd. Aber zwei Tage später heuerte Andrej Schewtschenko wieder beim AC Mailand an.

Berlusconi gegen Abramowitsch

Die Italiener haben sich ausländische Investoren im Fußball bis heute vom Leib gehalten. Ihr patriarchalisches System mit spendablen Mäzenen, die sich und ihre Firmen freudestrahlend für ihr liebstes Hobby ruinierten, erschien nach der Bankrotterklärung einer ganzen Reihe von Klubs am Ende. Noch vor zwei Jahren wurde gespart statt geklotzt, außer Inter Mailand machten auf dem Transfermarkt alle sogar Überschüsse. Und heute?

Inter minus 60 Millionen, AC Florenz minus 44 Millionen, AS Rom minus 25 Millionen, Juventus Turin minus 22 Millionen. Sogar der SSC Neapel, vor ein paar Sommern noch pleite, hat 21,5 Millionen mehr für Spieler ausgegeben als eingenommen. Nun, das wird der Besitzer, Filmproduzent Aurelio De Laurentiis vermutlich mit einer seiner von Kasernenhumor triefenden Komödien (»Weihnachten am Nil«) bald wieder herausholen. Napoli spielt übrigens auf besserem Niveau.

Außerdem erwarten Italiens Fußballbosse im nächsten Jahr, wenn die Pay-TV-Fernsehverträge neu verhandelt werden, einen Geldsegen von einer Milliarde Euro. Keiner dieser Klubs besitzt ein Stadion. Aber hinter allen stehen ehrgeizige, geltungssüchtige Unternehmer. Sie machen in Spielzeug (FC Genua), Krokodillederschuhen (AC Florenz) oder Flughäfen (AS Rom). Mit Abramowitsch können es zwar nur Berlusconi und Inters Petrolmagnat Massimo Moratti aufnehmen, doch die ungleich ärmere Konkurrenz möchte trotzdem nicht zurückstehen. Wer sich John F. Kennedys Boot gekauft hat, nur um damit standesgemäß von Neapel die paar Seemeilen nach Capri zu schippern, wie Fiorentina-Besitzer Diego Della Valle, der möchte endlich auch in der Champions League bella figura machen. Koste es, was es wolle.