Premier-League-Dauerbrenner Gareth Barry

Mr. Zuverlässig

Nach 600 Spielen in der englischen Eliteliga darf man das ruhig mal fragen: Wer ist Gareth Barry?

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Den Sportsender »DSF« gibt es längst nicht mehr. Der Nachfolger heißt »Sport1« und macht ebenfalls ein anständiges Programm. Ob das im kollektiven Gedächtnis hängen bleiben wird, muss die Geschichte zeigen. Das »DSF« jedenfalls hat das einst geschafft. Allerdings mit einem Werbeslogan, der in seiner Schlichtheit so genial zum Sport und vor allem zum Fußball passt, das er schon hunderte Mal wieder aufgekocht wurde. Aber zu wem, Bitteschön, passt das Mantra »Mittendrin, statt nur dabei« besser, als zu Gareth Barry?

Er hat lediglich 30 Spiele verpasst

Gareth, who? In Deutschland dürfte der englische Fußball nicht jedem Interessierten ein Begriff sein. Und man darf sich dieser Tage durchaus fragen, warum eigentlich nicht. Am vergangenen Wochenende absolvierte der Mittelfeldmann, seit 2013 beim FC Everton unter Vertrag, sein 600. Spiel in der Premier League. Mehr Partien haben nur Frank Lampard (609) und Ryan Giggs (632) gemacht. Sehr gut möglich, dass Barry diese beiden Legenden schon in dieser Spielzeit überholen wird. Die Saison hat noch 33 Spieltage in England. Und wenn man einem Mann zutraut, in wirklich jedem dieser Spiele auf dem Platz zu stehen, dann Gareth Barry. Es hat schon einen Grund, warum sie ihn in seiner Heimat Mr. Zuverlässig nennen. Bis heute hat er ingesamt nur 30 Spiele verpasst.

Sein Debüt feierte der heute 35-Jährige am 2. Mai 1998 im Trikot von Aston Villa gegen Sheffield Wednesday – und hörte fortan einfach nicht mehr auf zu spielen. Was verschiedene Gründe hatte, zwei davon ganz entscheidend: Barry ist mit einer erstaunlichen physischen Konstitution ausgestattet, seine Verletztenhistorie bei transfermarkt.de verzeichnet in seinen nun 19 Jahren als Profi genau einen ernsthaften Ausfall: 19 Tage im November 2014 wegen einer Knöchelverletzung. Zudem genoss der Linksfuß eine so allumfassenden Ausbildung im Defensivbereich, dass er schon als junger Spieler auf vier Positionen eingesetzt werden konnte: Innenverteidiger, Linksverteidiger, linkes Mittelfeld, zentrales defensives Mittelfeld. Trainer lieben solche Fußballer.

Rekordhalter auch in der U21

Nicht nur auf Klubebene. Bereits im zarten Alter von 17 debütierte Barry in der englischen U21, am Ende standen 27 Einsätze zu Buche, im Jahr 2002 ein Rekord (der heutige Rekordhalter ist James Milner mit sage und schreibe 43 Einsätzen). Für die A-Nationalmannschaft fuhr er mit zur EM 2000, wurde danach allerdings wieder in die U21 ausgemustert und erst 2007 wieder nominiert. Als Abräumdienst hinter Steven Gerrard funktionierte Barry so gut, dass ihn Gerrard zu einem Wechsel zum FC Liverpool überreden wollte, der Wechsel scheiterte allerdings. 2010 war Barry mit im englischen Kader bei der WM in Südafrika, wahrlich glänzend wird sein Auftritt dort nicht in Erinnerung bleiben. Sucht man bei Youtube nach passenden Videosequenzen, sieht man Barry in einer epischen Sprintschlappe gegen Mesut Özil, der anschließend das 4:1 im Achtelfinale durch Thomas Müller vorbereitet. Kurz vor der EM 2012 flog Barry wieder aus dem Kader. Aktuell stehen 53 Einsätze zu Buche.

Für seine Klubs aber war der 1,83 Meter Mann schon immer nahezu unersetzbar. Jahrelang pendelte Barry zwischen den Positionen hin und her, erst als 2006 Martin O´Neill bei Aston Villa anheuerte, fand Barry seine Bestimmung: seitdem findet man ihn auf der zentralen defensiven Position, für den passsicheren Zweikämpfer (seit der Saison 2010/11 hat Barry immer mehr als 80 Prozent seiner Pässe an den Mann gebracht) die ideale Rolle.