Portugals Trainer im Portrait

Die Taktik hat oberste Priorität

Und mithin ein Erfolg, der ihn auch für die ganz großen Vereine des Landes interessant macht. Den Zuschlag bekommt schließlich der FC Porto, den Santos gleich in seiner Premierensaison zum Titel führt.

Dann der erste Bruch in der bis dahin so steilen Trainerkarriere: Porto kann den Titel in den kommenden zwei Jahren nicht verteidigen. Die zwei Pokalsiege, die Santos erringen kann, sind nur ein schwacher Trost.

Als könne Santos nur noch Griechenland

Er wird entlassen und wagt die Flucht nach vorn, nach Griechenland. Trainiert in Athen sowohl AEK als auch Panathinaikos, sowie PAOK Thessaloniki. Es wird eine Erfolgsgeschichte. Obwohl er wegen der Dominanz von Olympiakos Piräus nur einen einzigen Titel holen kann, den Pokalsieg 2002, wird er in den sieben Jahren, die er dort als Vereinstrainer arbeitet, vier Mal zum Trainer des Jahres gekürt. 

Zwischendurch versucht er es immer wieder auch in Portugal. Doch sowohl bei Sporting Lissabon als auch bei seinem Jugendverein Benfica bleibt der Erfolg aus. Es scheint, als könne Fernando Santos nur noch Griechenland.

Dem dortigen Verband ist das nur Recht. Sie machen ihn als Nationaltrainer zum Nachfolger von Denkmal Otto Rehhagel. In dessen Schatten nicht sofort verloren zu gehen, ist allein schon eine Leistung. Doch Santos schafft mehr als das. Bei der EM 2012 ist erst im Viertelfinale gegen Deutschland Endstation. Bei der WM 2014 erreicht Griechenland erstmals in seiner Geschichte die K.O.-Phase einer Weltmeisterschaft.

Ein versierter Analytiker

Das Land jubelte, die Kritiker des vermeintlich schönen Fußballs rümpften die Nase. »Unansehnlicher Betonfußball« sei das, so ihr Vorwurf. Doch Santos konterte trocken: »Wir haben keinen Messi, also hat die Taktik bei uns oberste Priorität.«

Eine Taktik, die nicht allein darauf abzielt, sich weit zurückzuziehen und der Hoffnung die Hand zu reichen. Vielmehr ist Santos ein versierter Analytiker, der sich bestens darauf versteht, die Stärken des Gegners einzuschätzen und lahmzulegen. 

So hält er es auch als Trainer Portugals und bei dieser EM. Sowohl gegen das hochgelobte Mittelfeld der Kroaten, als auch gegen die Topstürmer der Polen wartete Santos mit probaten Gegenmitteln auf. Kurioserweise haben die Portugiesen zwar so noch kein einziges Spiel bei diesem Turnier nach 90 Minuten gewinnen können. Andererseits hat Portugal unter Santos noch kein einziges Pflichtspiel verloren.

Wenn es nach ihm geht, wird es dabei bleiben. Denn wie sagte Santos im Vorfeld der Partie gegen Polen: »Große Turniere werden von großen Mannschaften gewonnen. Und ich bin mir sicher, dass kein Team bei der EM hier solch eine starke Einheit ist wie unseres.« Und zur Not haben sie zwar keinen Messi. Aber ein Cristiano Ronaldo ist ja auch nicht so schlecht.