Portugal nach dem WM-Aus

Portugal weiß, warum Ronaldo besser als Messi ist

Was bleibt sonst noch von einem Nationalteam, das nach der Formel »CR7 + 10 Andere« funktioniert hatte? Beim furiosen 3:3 zum Auftakt gegen Spanien hatten sich die Fans auf dem Praça do Comercio noch mit ihren 1-Liter-Bierflaschen zugeprostet und den Dreifach-Torschützen »Rrruuunalduuu« gefeiert. »Göttlich«, nannte die Zeitung »Record« ihn.

Aber spätestens nach der Gruppenphase wird es ganz menschlich: Cristiano Ronaldo kann keine WM-Tore in K.o.-Spielen und scheitert daher, nachdem er es 2006 mit Figo und Deco ins Halbfinale geschafft hatte, als Alleinunterhalter bei Weltturnieren spätestens im Achtelfinale. Nach dem Spiel ließ der 33-Jährige offen, ob er im Nationalteam weiterspielen wolle.

Alberner Wettstreit

Sein Trainer Fernando Santos bekniete ihn fast. »Er hat noch viel zu geben«, sagte er über seinen Star von Real Madrid. »Im September beginnt mit der Nations League ein neuer Wettbewerb, wir wollen, dass der Kapitän den jungen Spielern hilft, zu wachsen. Er hat in solchen Stunden immer ja gesagt.«

Wird Cristiano es noch einmal tun? Oder wird er wie Lionel Messi als ewig Unvollendeter in die WM-Geschichte eingehen? Im Nachhinein wirkt ihr Wettstreit mit Ziegenfotos, -torjubeln und -bärtchen, wer nun der GOAT (Greatest Of All Time) sei, etwas albern.

Nashörner gegen Elefanten

Aber vielleicht braucht Portugal seinen bekanntesten Bürger seit Entdecker Vasco da Gama noch, auch angesichts des unfertigen Nachwuchses. Für das eigene Selbstbewusstsein. In Portugal kann es im Restaurant vorkommen, dass der Tischnachbar plötzlich laut sagt: »Wissen Sie, warum Ronaldo besser ist als Messi? Er kann köpfen«. Und dann stumm weiter isst.

Als Portugal noch eine große Seefahrernation war, ließ der König am Praça do Comercio, wo die Schiffe aus fernen Ländern anlegten, Nashörner gegen Elefanten kämpfen. Einfach weil man es konnte.