Polizeigewalt gegen Gladbach-Fans

»Wie Vieh behandelt«

Die italienische Polizei knüppelt auf Gladbachs Fans, wohl auch auf Frauen und Kinder. Mehrere Fans kommen in Polizeigewahrsam – Augenzeugen berichten von Gewalt und Willkür in Rom.

Fanhilfe MG

Ein riesiges Hämatom zieht sich über den kompletten Rücken. Es zeigt offensichtlich den Abdruck eines Schlagstocks, mit dem ein Polizist auf einen Gladbacher Fan eingeschlagen hat. Dieses und ein anderes Bild von einer Platzwunde auf dem Kopf eines Fans dokumentieren die brachiale Gewalt italienischer Ordnungshüter nach dem Europa-League-Spiel zwischen AS Rom und Borussia Mönchengladbach.

Frauen auf die Beine geschlagen

Fanvertreter und Offizielle der Borussia nannten das Vorgehen vollkommen unverhältnismäßig und kritisierten die polizeiliche Willkür. Mehrere Anhänger mussten mit schweren Kopfverletzungen behandelt werden, auch Kinder sollen von der Polizei mit Knüppeln traktiert worden sein. Laut Augenzeugen begaben sich Frauen in die Sanitätsräume, nachdem sie von Polizisten auf die Beine geschlagen worden sein sollen. Der Mann mit der Platzwunde auf dem obigen Bild habe demnach Schutz gesucht und sich von der Polizei weggedreht, als er getroffen wurde.

Auslöser für den Einsatz war eine Blocksperre für die Gäste nach dem Spiel. Die Römer sollen nur nach und nach Grüppchen der circa 7000 Gäste herausgelassen haben. Gerüchten zufolge suchte die Polizei in der eingesperrten Masse nach Fans, die beim Spiel Pyrotechnik gezündet hatten. Die Fanhilfe Mönchengladbach berichtet, dass 200 Gladbacher über drei Stunden ohne Verpflegung im Regen standen. Dabei sei die Situation eskaliert: »Polizisten schlugen wild auf Fans ein, es gibt zahlreiche Verletzte, diverse Fans mussten ins Krankenhaus. Teilweise müssen die Fans dort die Nacht verbringen, da die Kopfverletzungen durch Knüppelschläge schwerwiegender sind«, schrieb die Fanhilfe in einer ersten Stellungnahme.

Vier Fans in Gewahrsam - drei am Freitag frei

Mindestens vier Fans von Borussia Mönchengladbach wurden in Gewahrsam genommen. Drei von ihnen sollen das Gefängnis im Laufe des Freitagmittags bereits wieder verlassen haben. Die Verhandlung der vierten Person stünde noch aus, heißt es aus Fankreisen.

Auch am Tag nach dem Spiel wurden Auswärtsfahrer von der italienischen Polizei willkürlich kontrolliert, meldeten Gladbacher der Fanhilfe. Sie hat daraufhin geraten, auf Fankleidung in der Stadt zu verzichten. Am Donnerstagabend hatten sich bereits 20 verletzte Fans an die Initiative gewandt. Die Zahl der Verletzten soll allerdings noch weit höher liegen.