Polens Überschuss an Rechtsverteidigern

Die Drei von der Außenbahn

Vor dem EM-Qualispiel am Samstag gegen Polen sucht Joachim Löw wieder nach dem idealen Rechtsverteidiger. Polen hingegen hat auf derselben Position gleich vier Spieler zur Verfügung. Kurios: Drei davon spielen in der Bundesliga.

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Philipp Lahm hat nach seinem Abschied aus der Nationalmannschaft nicht nur die Kapitänsbinde, sondern auch eine große Lücke in Deutschlands Defensive hinterlassen. Jogi Löw steht nach wie vor kein gelernter Außenverteidiger für die rechte Seite zur Verfügung. So bleibt dem Bundestrainer am Samstag gegen Polen nichts anderes übrig, als mit Jérôme Boateng, Erik Durm, Antonio Rüdiger, Sebastian Rudy und Skhodran Mustafi weiterhin nach dem fähigsten Lahm-Ersatz zu suchen. Die Nationalelf unseres Nachbarlandes braucht sich über seine rechte Seite hingegen erstmal nicht zu sorgen. Polen, das bei der EM im eigenen Land vor zwei Jahren nicht über die Gruppenphase hinauskam und zuletzt auch die Qualifikation für die WM in Brasilien verpatzte, will nun wieder angreifen. Das können sie, vorne mit Robert Lewandowski. Und hinten? In der Defensive kann Cheftrainer Adam Nawalka gleich auf vier Rechtsverteidiger zurückgreifen. Drei von ihnen spielen in der Bundesliga. Wir stellen sie vor.

Pawel Olkowski ist seit dieser Saison ein Geißbock. Bevor der 24-Jährige mit Hang zum kriegerischen Irokesenschnitt einen Dreijahresvertrag beim 1. FC Köln unterschrieb, spielte er beim polnischen Rekordmeister Górnik Zabrze. Als rechter Verteidiger oder Mittelfeldspieler vielseitig einsetzbar, überzeugte er dort durch seine Leistungen und sicherte sich so seinen Platz in der Nationalmannschaft. Das Kicken lernte der Oberschlesier bei seinem Heimatverein in Ozimek. In Polen gilt er als Riesentalent, wird durch seine offensiven Ausflüge gerne mit Lukasz Piszczek verglichen. Beim FC stand Olkowski zwar nicht durchweg in der Startelf, zeigte aber entweder als rechter Mittelfeldspieler vor seinem Kollegen Miso Brecko oder als rechter Außenverteidiger seine Qualitäten. Am Samstag würde Olkowski, der gerne schonmal oberkörperfrei auf Facebook posiert, sein siebtes Länderspiel für Polen bestreiten.

Grzegorz Wojtkowiak guckt immer ein bisschen grimmig –  egal, ob er gerade für den TSV 1860 München einen Angriff vereitelt oder polnischer Meister wird. Der 30-Jährige hat in Polen schon viele Erfolge gefeiert: 2009 wurde er mit Lech Posen polnischer Pokalsieger, 2010 polnischer Meister und Supercup-Gewinner. Hoffnungsfroh unterschrieb Posens ehemaliger Kapitän zur Saison 2012/2013 einen Dreijahresvertrag bei den Löwen und freute sich, bald »mit ihnen um den Aufstieg spielen zu dürfen«. Momentan kämpft er bei dem zerrütteten Team wohl eher gegen den Abstieg. In München  fiel er in den vergangenen Monaten zwar des Öfteren verletzungsbedingt aus, konnte aber in den Einsätzen nach seiner Genesung nicht überzeugen. In der polnischen Nationalmannschaft kommt der rechte Abwehrmann, der auch als Innenverteidiger einsetzbar ist, zwar schon auf 24 Einsätze, wird aber am Samstag eher erstmal auf der Ersatzbank Platz nehmen dürfen.

Lukasz Piszczek (Marktwert aktuell 12,5 Millionen Euro) kickte schon als Siebenjähriger unter Anleitung seines Vaters bei Gwarek Zabrze. Heute hört er auf Jürgen Klopp beim BVB. Bereits mit 19 Jahren verpflichtete Hertha BSC den damaligen polnischen A-Jugendmeister, lieh ihn aber gleich wieder an Polens Erstligisten Zagłębie Lubin aus. Hier wurde er, wie 2011 bekannt wurde, in eine Manipulationsaffäre verwickelt. 2006 benötigte Lubin im letzten Saisonspiel lediglich einen Punkt, um sich für den UEFA-Cup zu qualifizieren. Diesen erkaufte sich die Mannschaft mit insgesamt 25.000 Euro. Wie Piszczek später berichtete, wurde er als jüngerer Spieler von älteren Mannschaftskollegen gedrängt, ebenfalls einen Anteil zu bezahlen. 2010 zeigte er sich selbst an, erhielt im Juni 2011 eine einjährige Bewährungsstrafe und musste eine Geldstrafe von 25.000 Euro bezahlen.

Während der Aufarbeitung der polnischen Korruptionsaffäre erhielt Piszczek Rückendeckung von seinem jetzigen Verein Borussia Dortmund. Seit 2010 spielt der 29-Jährige im schwarzgelben Trikot und wurde mit den Borussen in der Zeit zweimal Deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger. Piszeck, der bei Hertha als linker Mittelfeldspieler und sogar als Stürmer eingesetzt wurde, hat mittlerweile seine Rolle als rechter Verteidiger beim BVB gefunden. In Dortmund ergänzt er erfolgreich die Viererkette mit Durm, Hummels und Subotic. Auf derselben Position überzeugte er bereits 37 Mal im polnischen Nationaldress.