Pleiteklub gründet sich neu

Parma Reloaded

Der FC Parma steht vor einem Neuanfang — mal wieder. Dabei war der Niedergang vorprogrammiert. Die Geschichte eines 1-Euro-Klubs, dessen Präsident nicht einmal das Parkticket zahlen konnte.

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166 — so viele Spieler verpflichtete der FC Parma im Sommer 2013. Die meisten von ihnen haben allerdings nie einen Fuß in die Stadt gesetzt, geschweige denn auch nur eine einzige Minute für den Klub gespielt. Denn das Gros der Spieler wurde umgehend verliehen; allein 21 von ihnen an den slowenischen Erstligaklub ND Gorica. In der Hoffnung auf einen bald gesteigerten Marktwert, der dem Klub in der Folge saftige Transfererlöse bescheren sollte. So ging das beim FC Parma seit 2009, Sommer für Sommer. Bis nichts mehr ging. Denn was als Geschäftsmodell begann, wurde zu einem Puzzlestück des Bankrotts. An dessen Ende nun ein Neuanfang in der vierten Liga steht, der so skurril wie typisch ist für den Zustand des italienischen Fußballs.

Der Pate des Transfer-Irrsinns war Geschäftsführer Pietro Leonardi. Er hatte das System einst bei Udinese Calcio eingeführt; dort galt es bald als Erfolgsmodell. Und nicht wenige seiner zahlreichen Transfers entwickelten sich tatsächlich zu wahren Goldminen. 2007 etwa kaufte der Klub einen jungen Stürmer namens Alexis Sanchez. Ablösesumme damals: drei Millionen Euro. Nach Leih-Stationen in seiner chilenischen Heimat und in Argentinien hatte Sanchez gut zwei Jahre später das Format für die Stammelf des damaligen Uefa-Pokal-Teilnehmers aus Udinese. Drei weitere Spielzeiten später verließ er die Serie A als gemachter Star in Richtung Barcelona. Die Ablöse: 26 Millionen Euro. Doch Leonardi verließ sich nicht etwa auf sein Gespür für ungehobene Talent-Schätze, sondern setzte auf die schiere Masse: »Wenn wir mit 30 bis 40 Prozent unserer Einkäufe richtig liegen, ist das für uns ein großer Erfolg.«

Gigi Buffon, Lilian Thuram, Hernan Crespo oder Fabio Cannavaro: Sie alle trugen das Trikot

Von 2009 an sollte er sein Erfolgsmodell dann schließlich auf den FC Parma übertragen und den Klub dorthin zurückbringen, wo er einst Stammgast war — auf die europäische Bühne. Zwei Siege im Uefa Pokal (1995 und 1999), ein Sieg im Europapokal der Pokalsieger (1993) stehen unter anderem in den Geschichtsbüchern des Vereins und mit ihnen die Ikonen des Erfolgs. Gigi Buffon, Lilian Thuram, Hernan Crespo oder Fabio Cannavaro: Sie alle trugen das Trikot einer Mannschaft, die damals noch AC Parma hieß.



Einer Mannschaft die über Italien kam wie die Jungfrau zum Kinde. Denn bis ins Jahr 1990 hinein spielte der Fußball in Parma nur eine untergeordnete Rolle. Und umgekehrt. Erst als von 1985 an ein gewisser Arrigo Sacchi das Sagen hatte, löste sich der örtliche AC aus den Niederungen des »Calcio«. Sacchi führte den Klub bis ins Mittelfeld der Serie B, ehe er 1987 dem Lockruf des AC Mailand folgte. Beim Klub von Silvio Berlusconi wurde er zu einer der prägendsten Trainer-Figuren der Fußballgeschichte. In Parma hinterließ er ein bestelltes Feld. Es war Nevio Scala, der die Ernte einfahren sollte. Ein bis dahin weitgehend unbeschriebenes Blatt, übernahm er das Team zur Saison 1989/90 und schaffte prompt den Aufstieg in die Serie A.