Phrasen-Bingo von Nationalspielern

Verbale Betäubung

Nach dem Spiel der Nationalmannschaft wurde wieder deutlich, dass Field-Interviews mit Nationalspielern den Gehalt von abgelaufenem Trinkjoghurt haben und als Anästhetikum durchgehen. Ein Manuskript für das nächste Länderspiel und die Dialoge danach. Phrasen-Bingo von Nationalspielern

Wir wissen nicht, wie das kommende Länderspiel gegen Österreich ausgehen wird. Was wir aber wissen, ist, wie die Interviews nach dem Spiel ablaufen werden. Mal angenommen, irgendein Spieler trumpft auf, dann dürfte es sich ungefähr so abspielen:

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Wie sehr freuen Sie sich über Ihr tolles Spiel?

Wir haben als Mannschaft gut gearbeitet. Wir wollten kompakt stehen, das ist uns gelungen. Ich freue mich natürlich sehr.

Sie wirken so leichtfüßig. Denken Sie gar nicht nach?

Ich freue mich natürlich sehr, in der Nationalmannschaft zu spielen. Ich versuche, in jedem Spiel mein Bestes zu geben.

Fordern Sie jetzt einen Stammplatz?

Nein, das muss der Bundestrainer entscheiden. Ich versuche, mich über gute Leistungen in der Bundesliga weiter anzubieten.  Dann wird man sehen.

Was ist das momentan für ein Gefühl, in der deutschen Nationalelf zu spielen?

Das ist natürlich ein super Gefühl, ich freue mich sehr. Ich fühle mich sehr wohl und ich denke, wir haben noch einiges zusammen vor.

Werden Sie heute noch feiern?

Wir freuen uns natürlich sehr. Wir müssen uns jetzt weiter auf die kommenden Aufgaben konzentrieren und weiter hart an uns arbeiten. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Dann werden wir erfolgreich sein.

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Bleibt die Frage, ob die Spieler diesen Modus auch privat aufrecht halten können. Beispielsweise beim Abendessen mit der Freundin. Ein möglicher Dialog:

Freundin: Toll, dich mal wieder hier zu haben und dass wir gemeinsam essen!

Spieler: Ich freue mich natürlich sehr. Wir müssen weiter an uns arbeiten, damit wir das bestätigen können.

Freundin: Danke übrigens, dass du mir die Apfelschorle mitgebracht hast.

Spieler: Gut, ich hatte mir vorgenommen, in den Supermarkt zu gehen und einzukaufen. Ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Alles andere wird man sehen.

Freundin: Vielleicht können wir uns häufiger an deinen trainingsfreien Tagen sehen?

Spieler: Das muss der Bundestrainer entscheiden. Ich denke, dass ich mich durch dieses Abendessen bei dir weiter anbiete, dann wird man sehen.

Freundin: Zum Glück. Mir wurde schon erzählt, dass du etwas mit der Tusse von der Geschäftsstelle hättest!

Spieler: Ich versuche, von Frau zu Frau zu denken. Jetzt müssen wir weiter konzentriert zusammen leben, dann haben wir auch Erfolg.