Pete Dohertys Fußball-Fanzine

»Er bekam großen Ärger mit seiner Oma«

Rockstar Pete Doherty gründete einst ein Fanzine für die Queens Park Rangers. Sein Mitautor Chris Hewitt erinnert sich.

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Ich lernte Pete kennen, als er ungefähr 14 Jahre alt war. Wir nannten ihn »Young Pete«, eben weil sein Vater auch Pete hieß. Er war ein absoluter Fan von QPR, obwohl er 300 Meilen von London entfernt geboren wurde. Sein Vater war in der britischen Armee und so lebten sie immer in ganz Europa verstreut.

»Young Pete« war ein lustiges Kerlchen mit einem nahezu enzyklopädischen Wissen über QPR, sogar über Spiele, die 20 Jahre vor seiner Geburt stattgefunden hatten. Beim Thema Rock und Musik generell konnte er sich genauso an alles Mögliche haargenau erinnern.

Pete kam in den Neunzigern zu den Spielen der Reserve. Dann eröffnete er uns, dass er ein Fanzine namens »All Quiet On The Western Avenue« gründen wolle. Die Western Avenue war eine große Straße neben dem QPR-Stadion. Auf sein Bitten steuerten wir auch Artikel bei, obwohl ich mich darauf konzentrierte, bestimmte Spieler niederzuschreiben (vor allem Brian Croft, den allerschlimmsten unter der Sonne).




Alles mit Tippex überstreichen

Ein Artikel aber handelte Pete ordentlich Ärger ein. Ich machte mich über einen total absurden Werbespot der Firma Bodyform lustig, in dem sie sich durch ein Fußballspiel von Models am Strand bei Fans anbiedern wollten. Ich konnte mir nicht verkneifen zu schreiben, dass eine von ihnen ein Tor aus klarer Abseitsposition schoss.

Meine Sprache war nicht besonders fein, zugegeben, da waren einige unbeholfene Wortspiele drin, aber Pete druckte es genau so und fügte an: »Wir haben Chris’ Kontaktdaten an die Polizei gegeben.« Zwei Tage später fuhr ich zum QPR-Spiel nach Anfield, als Pete auf mich zukam und um Verzeihung bat. Er war total rot angelaufen. Ich wusste nicht, was er meinte, bis ich das Heft sah.

Pete war damals erst 15, wohnte noch bei seiner Oma und hatte ihr das Heft gezeigt. Beim Lesen wurde die alte Dame so sauer, dass sie Pete zwang, jedes einzelne Schimpfwort mit Tippex zu überstreichen. Es müssen an die 500 gewesen sein. Das Fanzine überlebte dann auch nur fünf Ausgaben bis ins Jahr 1996.

Plötzlich war er im Fernsehen

In der Folge schloss Pete die Schule ab und ging auf die Uni. Zu dieser Zeit verloren wir uns aus den Augen. Im Jahr 2003 schaltete ich den Fernseher an, um mir die Musiksendung »Top Of The Pops« auf BBC anzuschauen. Plötzlich sah ich da diesen Typen, der »Time for Heroes« in einer Band namens »The Libertines« sang. Ich dachte mir, dass der Kerl doch »Young Pete« sein müsse. Also griff ich zum Telefonhörer und fragte herum.

Und tatsächlich: Er war nun ein Rockstar. Ich erfuhr, dass die B-Seite von »Time for Heroes« den Titel »General Smuts« trug. Das war ein südafrikanischer General, aber auch der Name eines absolut heruntergekommenen Pubs in der Nähe von Loftus Road, dem Stadion von QPR. Also wenn da draußen irgendjemand die Liebe von Pete Docherty zu QPR in Frage stellen sollte, so kann ich versichern: Er war von Kindesbeinen an verrückt nach diesem Verein.