Peps Lyrik-Lesung

»Irgendwo gibt es immer einen Faun, der keinen Mit­tagsschlaf hält!«

Dazu kommt es nicht mehr. Vielmehr franst der Abend in ein babylonisches Sprachgewirr aus: Mal rezitiert Guardiola zuerst das Original, das dann vom Schauspieler übersetzt wird, mal ist es andersrum. Dann wieder bleibt es beim Original in fremden Zungen. Plötzlich ruft der Schauspieler: »Irgendwo gibt es immer einen Faun, der keinen Mit­tagsschlaf hält!« Ob er nur eigenmächtig vorliest oder womöglich den allzu beflissenen Moderator meint, bleibt unklar. Guardiola schaut den Schauspieler jetzt kritisch an, doch der kaut nur schelmenhaft an seinem Brillenbügel.

Ist all das vielleicht eine raffiniert inszenierte Analogie auf die Kommunikationsbarrieren, die sich in der Bayernkabine auftun, wenn der Trainer in wildem Spanglish seinen Spielern aus aller Herren Ländern die Feinheiten des Gegenpressings zu erklären versucht und doch nur in ratlose Gesichter blickt? Auch das bleibt freilich dahingestellt. Der Moderator, von dem man sich die eine oder andere Frage erhofft hätte, die man selbst nicht stellen durfte, ist zu tief versunken ins wohlige Gefühl, gemeinsam mit Guardiola einen literarischen Schatz gehoben zu haben, als dass er mal interessant nachhaken könnte. Stattdessen wünscht er »der Bundesliga, dass dieses Beispiel Schule macht«, und bedankt sich beim Publikum, dass es »so geduldig zugehört« habe. Hinterher wird er vom Sportinformationsdienst interviewt.

Da ist Guardiola schon von den Bayern-Fans umringt. Sie machen Selfies mit ihm, sie halten ihm Bücher hin, in die er sein Autogramm setzen soll. Es sind Bildbände vom FC Bayern. Auch eine Hoeneß-Biografie ist darunter, ein Werk von Miquel Marti i Pol jedoch nicht. Der wa­ckere Buchhändler sitzt derweil ziemlich verlassen an seinem Tapeziertisch voller Gedichtbände, von denen einer eben »Buch der Einsamkeiten« heißt. Aber das kann natürlich ein Zufall sein.