Pedro Pasculli kam Diego näher als jeder andere

In Bed with Maradona

Pedro Pasculli teilte sich während der WM 1986 ein Zimmer mit »El Dios«. Dabei erlebte er einen Menschen, der so ganz anders war als der Mythos Maradona.

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Schon viele haben sich versucht am Mythos Maradona. Am Epos von »El Dios«. Am Drama des kleinen Diego. Gerade erst beleuchtete der britische Filmemacher Asif Kapadia in seiner opulenten Kino-Doku »Diego Maradona« das Leben der leibhaftigen Legende. Doch kein Mensch, zumindest kein Fußballer, kam dem vielleicht besten Spieler aller Zeiten jemals so nahe wie Pedro Pasculli, der nun ein verblüffendes, teilweise völlig neues Bild des großartigen Magiers zeichnet.

Pasculli, der heute als Trainer bei Bangor City in Indien arbeitet, war bereits zwischen 1980 und 1981 Maradonas Vereinskamerad bei den Argentinos Juniors. Dort lernte er Diego noch als unbedarften Teenager kennen und schloss alsbald mit ihm Freundschaft. Später, während des gemeinsamen Triumphes bei der WM 1986, war der damalige Italien-Legionär von US Lecce folgerichtig Zimmerkollege des argentinischen Superstars. Wohl niemand sonst könnte also dem Fußballer Maradona ein solch detailgetreues Denkmal bauen und gleichzeitig den Menschen Diego so unaufgeregt entmythologisieren, wie Pedro Pasculli dies im Gespräch mit dem britischen »Guardian« tut.

»Bleib ruhig, wir haben morgen ein Spiel«

Fast hat man das Gefühl, mit im Bett zu liegen, wenn der 59-Jährige über die Nacht vor dem WM-Finale 1986 in Mexiko-Stadt (3:2 gegen Deutschland) berichtet: »Unser Zimmer war nichts Besonderes, unsere Betten standen dicht beisammen. Ich war so nervös, aber Maradona sagte: ,Bleib ruhig, wir haben morgen ein Spiel.' Fünf Minuten, nachdem er sich hingelegt hatte, schlief er! Ich dagegen lag bis 4 oder 5 Uhr morgens wach. Kein anderer Mensch hätte wohl so leicht einschlafen können in der Nacht vor einem Weltmeisterschafts-Endspiel. Als ich Diego da so ruhig liegen sah, war ich mir sicher, dass wir den WM-Titel gewinnen würden.«

Tags darauf, bei der Siegerehrung im Aztekenstadion, umarmte Kapitän Maradona einen Mitspieler ganz besonders herzlich: Pedro Pasculli, obwohl der während des gesamten Turniers nur zwei Spiele bestritten hatte. Der große Maradona wollte dem Edelreservisten seine besondere Dankbarkeit erweisen – für eine große, aber unterdessen fast vergessene Tat: Pasculli hatte nämlich im Achtelfinale gegen Argentiniens Angstgegner Uruguay das goldene 1:0 erzielt. In einem Spiel, in dem der große Diego Maradona ausnahmsweise mal wenig brillieren konnte, weil die »Urus« ihm gnadenlos die Schienbeine polierten.