Passt Arturo Vidal zu den Bayern?

Urgewalt statt Urgestein

Ein neuer Vidal für einen neuen Pep: Arturo Vidal ist nicht so blindwütig-aggressiv, wie viele glauben – und dennoch könnte er einen Wechsel in Guardiolas Stil bedeuten.

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Mit dem Kauf von Douglas Costa schien die Kaderplanung des FC Bayern München abgeschlossen. Eigentlich. Denn auf einmal ging alles ganz schnell: Bastian Schweinsteiger verabschiedete sich nach Manchester – und plötzlich wurde eine neue Stelle im Mittelfeld frei. Die Münchener fackelten nicht lange. Das eingenommene Geld wird reinvestiert, und zwar in den Chilenen Arturo Vidal, wenn man einschlägigen Medienberichten Glauben schenken darf. Was veranlasst die Bayern zu diesem Tausch Urgestein gegen Urgewalt?

Der Aggressive

Hierzulande ist Vidal vor allem für sein ungezügeltes Temperament bekannt. Vidal ist ein Stier von einem Spieler und wird gerne mit selbst erklärten »aggressive leaders« wie Gennaro Gattuso oder Mark van Bommel verglichen. Bei Vidal ist die aggressive Zweikampfführung jedoch kein Selbstzweck. Vidal ist ein Spieler, der das Pressing liebt: Dynamisch und pfeilschnell stößt er aus dem Mannschaftskonstrukt heraus und jagt seinen Gegenspieler. Wenn er einen Gegner verfolgt, gibt er erst auf, wenn er den Ball hat. Bei Juventus brachte er das Überraschungselement in die eher abwartende Defensive.

Zur Wahrheit gehört auch: Vidal ist disziplinierter geworden. Das letzte Mal sah Arturo Vidal vor über drei Jahren eine Rote Karte. Es war der erste und einzige Platzverweis, seit er Leverkusen 2011 verließ. Vidal weiß mittlerweile, wann er aggressiv draufgehen muss und wann nicht. Gut zu beobachten war dies im Champions-League-Finale: Anfangs warf sich der Chilene in jeden Zweikampf, holte sich früh die Gelbe Karte ab. Als der Schiedsrichter ihm jedoch mit dem Platzverweis drohte, schaltete er zwei Gänge zurück.

Die Ergänzung

Vidals Wechsel würde vor allem ein Bayern-Problem lösen: das handzahme Pressing. Gerade dem Duo Schweinsteiger-Alonso fehlte die Dynamik, um das Pressing auch einmal in die gegnerische Hälfte zu tragen. Dies ist für Guardiolas dominante Spielweise aber wichtig, um gegnerische Konter abzuwürgen. Der Tausch Vidal für Schweinsteiger ist die vielleicht extremste Art, dieses Problem anzugehen. Er könnte der ideale Partner für den abwartenden Xabi Alonso sein: Der Spanier darf aus dem Hintergrund die Schönheit ins Spiel bringen in Form seiner langen Pässe, während Vidal die Drecksarbeit verrichtet. Genauso gut könnte Vidal aber auch Thiago oder Mario Götze entlasten.

Der Chilene bringt eine weitere wichtige Eigenschaft für den Bayern-Fußball mit: Er ist flexibel einsetzbar. Im Mittelfeld kann er praktisch jede Position spielen, auch auf den Flügeln oder der Rechtsverteidiger-Position ist er ohne starken Qualitätsabfall einsetzbar. Es ist davon auszugehen, dass Pep Guardiola diese Flexibilität zu nutzen weiß. Vidal könnte damit der Mann für Sonderaufgaben werden, gerade im Pressing, wenn es gilt, einen gegnerischen Spielmacher Schachmatt zu setzen. Der Chilene erweitert damit die taktischen Möglichkeiten Guardiolas.