Partizan gegen Roter Stern

»Er ist das Idol aller Kriminellen«

Auf den größten Moment folgte kurze Zeit später einer der dunkelsten – sowohl für Roter Stern als auch das Ewige Derby. 1992 tauchte eine Gruppe von Paramilitärs im legendären Belgrader »Maracana« auf, dem Stadion von Roter Stern. Sie hielten Straßenschilder hoch. »20 Kilometer bis Vukovar«, stand auf einem. »10 Kilometer bis Vukovar.« Dann: »Willkommen in Vukovar.« Der Name der kroatischen Stadt steht heute für ein Massaker im Kroatienkrieg, verübt von serbischen Freischärlerverbänden.

Deren später am meisten gefürchtete Anführer Arkan war 1992 einer der Chefs der Delije, kontrollierte sogar den Ticketverkauf und in Wahrheit wohl den ganzen Verein. Der serbische Journalist Filip Svarm sagte mal über ihn: »Arkan ist das Idol aller Kriminellen. Warum? Weil er Polizist und Mafiaboss zugleich war.« Arkan ließ sich im Stadion für die Straßenschilder feiern – auch von vielen Partizan-Anhängern. Aus den Fußball-Ultras beider Lager rekrutierte Arkan seine »Tiger«, die als schlimmste Mördertruppe der an Mördertruppen nicht armen Jugoslawienkriege gelten.

Der traurigste Part der Fehde

Es ist wohl der traurigste Part an der Fehde zwischen den Delije und den Grobari, dass sie sich immer bei den Fragen einig sind, auf die sie besser jeder für sich allein weiter nach Antworten gesucht hätten. Im modernen Serbien, wie es seit der friedlichen Sezession von Montenegro 2006 existiert, war das der Hass gegen Schwule. 2010 verwandelten Hooligans beider Vereine Belgrad wegen der Gay-Pride-Parade in eine Kriegszone, lieferten sich Straßenschlachten mit über 5000 Polizisten, verletzten 78 Beamte.

Es gehört zum Schicksal des Ewigen Derbys, dass die europaweit bemerkte Randale den Fußball in den Hintergrund stellt. Dabei ist dieses Duell auch eines der Kunstschüsse, wie dem direkt verwandelten Eckball von Roter-Stern-Spielmacher Dragan Stojkovic 1987. Oder dem Freistoßtor von Milos Jojic in der 90. Minute zum entscheidenden 1:0, das Partizan die Meisterschaft 2013 sicherte und dem Schützen später genug Aufmerksamkeit für einen Wechsel zu Borussia Dortmund.

Doch die Dinge normalisieren sich, sogar in Serbien. Gab es früher noch Tote und viel Gerede um Manipulation, Mafiaverbindungen und kriminelle Machenschaften, werden heute einfach die Sitzschalen ausgebaut, damit aufgeheizte Hooligans sie nicht aus der Verankerung reißen und sich damit bewerfen können. Trotz der wachsenden Distanz zwischen der Begeisterung auf den Rängen und dem Niveau auf dem Rasen bleibt das Ewige Derby das größte Spiel in Serbien – und in ganz Südosteuropa.