Park Chu-young: Südkoreas gefallener Held ist wieder da

»Ich entschuldige mich bei den Soldaten«

»Ich kann verstehen, dass viele Menschen meinen aufgeschobenen Wehrdienst sehr kritisch sehen. Ich möchte mich zunächst bei allen Leuten entschuldigen, die ich damit enttäuscht habe«, erklärte der Fußballer auf einer eigens für dieses Thema einberufenen Pressekonferenz. »Ich habe bereits mehrfach betont, dass ich meinen Dienst an der Waffe nach dem Ende meiner Karriere nachholen werde. Ich entschuldige mich bei allen Soldaten, die unser Land in diesem Moment verteidigen.«

Das große Comeback bei Olympia

Auch in der Nationalmannschaft sah der einst so gefeierte Newcomer schweren Zeiten entgegen. Choi Kang-hee, seit 2011 im Amt, zeigte Chu-young die kalte Schulter. Der versuchte sich bei Celta Vigo zu trösten, begann dort auch stark, doch am Ende reichte es nicht, um die Verantwortlichen der Spanier davon zu überzeugen, ihn aus dem Kontrakt mit dem FC Arsenal herauszulaufen. Die Londoner verliehen den Stürmer Ende Januar 2014 an den FC Watford. Dort wurde er einmal eingewechselt (in der 90. Minute) und durfte beim Auswärtsspiel gegen Bolton einmal von Beginn an ran. Nach einer Stunde Spielzeit wurde er ausgewechselt.

Doch zurück ins Jahr 2012: Da nominierte ihn Hong Myong-bo, 2002 Kapitän jener südkoreanischen Auswahl, die als Gastgeber für Furore sorgte, für den Kader der Olympiamannschaft bei den Spielen 2012. Drei Spieler über 23 Jahre darf jede Auswahl aufnehmen, Chu-young war einer von ihnen. Der Stürmer spielte sich recht unauffällig durch das Turnier, war dann aber da, als es drauf ankam: Im Spiel um Platz 3 gelang ihm ein spektakuläres Tor, das den 2:0-Erfolg seiner Mannschaft einleitete. Ein großer Sieg. Nicht nur, weil Südkorea ausgerechnet den Rivalen aus Japan besiegt hatte. Nicht nur, weil Chu-young nun eine Medaille um den Hals baumeln hatte. Sondern weil die südkoreanische Regierung jedem Olympioniken, der es bei den Spielen aufs Treppchen schafft, vom Militärdienst befreit.

Mehr als ein Leader

Jetzt ist er im Aufgebot des südkoreanischen WM-Teams und spielt dort eine wichtige Rolle. Nicht etwa, weil er einst die gleiche Universität besuchte wie sein Trainer, sondern weil die aktuelle Mannschaft nicht gerade reich bestückt ist mit Spielern, die den Unterschied machen können. Und Chu-young ist, auch wenn seine Karriere den Zenit bereits überschritten hat, noch immer genau so ein Spieler. Die Frage ist nur: In welcher Form befindet sich der Angreifer, wenn seine Mannschaft am 17. Juni gegen Russland in das Weltturnier startet? Die Reaktionen auf seine Teilnahme an der WM fielen in seiner Heimat jedenfalls gemischt aus.

Chu-young ist nicht dafür bekannt, mit einzelnen Journalisten enge Kontakte zu pflegen, entsprechend gering ist sein Standing in den Medien nach den eher verkorksten letzten Jahren. Es gibt nicht wenige Journalisten, die Zweifel an seiner Tauglichkeit für eine so große Aufgabe haben. »Das ist eine ganz natürliche Reaktion«, gestand der Spieler den Reportern diese Meinung zu, »wenn das Land nicht wollen würde, dass ich für sie spiele, dann würde das auch kein Sinn machen. Aber wenn man mir vertraut, dann werde ich alles geben. Meine Erfahrung wird dabei sicherlich von Vorteil sein, aber sich auf dem Feld zu zerreißen ist noch viel wichtiger! Mehr noch als Leader, will ich als Routinier dafür sorgen, meinen Mitspielern in den entscheidenden Momenten die richtige Richtung zu weisen.«

Den Kritikern zum Trotz

Seine Berufung für das Freundschaftsspiel gegen Griechenland im März hat gezeigt, dass zumindest sein Trainer dieses Vertrauen noch besitzt. Seinen Kritikern zum Trotz erzielte Chu-young das 1:0 beim 2:0-Erfolg über die Griechen. Wiederholt er solche Auftritte bei der WM, dürfte sich Südkorea schon sehr bald mit Park Chu-young versöhnt haben. Doch noch viel mehr als bloß ein gutes WM-Turnier, geht es bei ihm darum, sich seinen Platz in der Geschichte zu sichern. Er hat noch einiges zu beweisen.

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John Duerden ist Teil des »Guardian-Netzwerks« und berichtet als Asien-Korrespondent für »BBC Radio«, »Guardian«, »ESPN« und »World Soccer« regelmäßig über den südkoreanischen Fußball. Hier könnt ihr ihm auf Twitter folgen.