Park Chu-young: Südkoreas gefallener Held ist wieder da

Südkoreas neuer Superstar

Zum ersten Mal war das 2004 der Fall, als er bei den »Asian Youth Championships« den »Goldenen Ball« als bester Spieler des Turnier gewann und seine Mannschaft zum Titelgewinn führte. Er beeindruckte durch seine Schnelligkeit, technische Raffinesse, Kopfballstärke und seine Spielintelligenz. Weil er sich anschließend auch bei einem Turnier in Katar in bestechender Form präsentierte, kürten ihn seine Kollegen zu »Asiens Jugendspieler des Jahres«. Der Kontinent hatte ein neues Juwel gefunden. Und die Fans ein neues Idol: Wo er auch mit dem FC Seoul auftauchte, die Zuschauer drehten durch. In nur einer Spielzeit erwarb er sich den Beinamen »Fußball-Genie«, schaffte es häufiger als jeder andere Fußballer auf die Titelseiten der Zeitungen und zierte schließlich das Cover der südkoreanischen Ausgabe der »Fifa«-Videospielreihe.

Lockruf von Alex Ferguson

Auf dem Höhepunkt dieses Hypes edelte der ehemalige Chelsea-Trainer und damalige Busan Icons Coach Ian Porterfield den Angreifer mit einer beeindruckenden Beschreibung: »Er hat Talent, ein großartige Technik und ist extrem schnell- das komplette Paket. Er muss nur weiter hart an sich arbeiten und an sich glauben, dann wird er in naher Zukunft ganz sicher bei einem europäischen Topklub für Aufsehen sorgen.« Kurz darauf, vielleicht beeinflusst von der Lobpreisung des ehemaligen Trainers, zeigte der FC Chelsea Interesse an dem 18-jährigen Senkrechtstarter. Und als United-Coach Alex Ferguson kurz nach der Verpflichtung von Park Ji-sung im Juli 2005 erklärte, es würden sicherlich schon bald noch andere »Jungs aus Südkorea« in die Premier League kommen, war sich eigentlich jeder sicher, wen die Trainerlegende aus Manchester gemeint hatte.

Chu-young zeigte sich von dem Trouble um seine Person offenbar unbeeindruckt. Schon bei seinem Nationalmannschaftsdebüt im Juni 2005 erzielte er in der Nachspielzeit den Ausgleich im WM-Qualifikationsspiel gegen Usbekistan und rettete so einen wichtigen Punkt im Kampf um die Startplätze für Deutschland. Sein Tor gegen Kuwait im darauffolgenden Match sicherte Südkorea dann endgültig die Teilnahme am Weltturnier. In Deutschland lief er allerdings nur bei einem von drei Partien seiner Mannschaft auf – vielleicht ein böses Omen für das, was ihn Jahre später nach seiner Verpflichtung vom FC Arsenal erwarten würde.

Die Sache mit dem Wehrdienst

Denn Arsene Wenger hatte Chu-young zwar unbedingt verpflichten wollen, ließ ihn dann allerdings auf der Bank versauern. Am Ende dieser Saison wurden die ersten Rufe aus der Heimat laut, die den gefallenen Helden nicht mehr in der Nationalmannschaft sehen wollten. Außerdem schwelte in dieser Zeit ein ganz anderer, typisch südkoreanischer Konflikt mit Chu-young in der Hauptrolle. Der Fußballer wurde 2011 aufgefordert, seinen Militärdienst anzutreten. Zwei Jahre hatte der Exil-Südkoreaner nun Zeit, dagegen vorzugehen. Im Herbst 2012 fanden seine Anwälte schließlich das gesuchte Hintertürchen: Ausgehend von seinen drei Jahren in Frankreich verschafften ihm die Juristen einen Aufschub des Dienstes an der Waffe um zehn Jahre.

Die meisten Länder mit Wehrpflicht erlauben einen solchen Aufschub oder gar eine Befreiung vom Wehrdienst für ihre Spitzensportler. Doch Südkorea befindet sich offiziell noch immer im Krieg gegen den Nachbarn aus dem Norden. Jahrzehntelang hatten es die Reichen und Mächtigen in Südkorea trotzdem geschafft, ihre Söhne von der gefürchteten Arbeit an der Front zu befreien. Nun war hier ein Fußballer, der seinen Status dazu nutzte, es diesen »rich kids« gleich zu tun. Doch anderes als die wohlhabenden Söhne musste sich Chu-young für seine Entscheidung entschuldigen.