Paris Saint-Germain und das liebe Geld

Der Zirkus ist in der Stadt

Heute will Paris Saint-Germain endlich auch in Europa das Ruder übernehmen. Denn die katarischen Besitzer sind keine durchgeknallten Investoren, sie haben klare geopolitische und wirtschaftliche Ziele.

Foto: Sebastian Wells
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Neulich kamen zwei andere in Paris lebende Familienväter und ich irgendwie an Karten für ein Spiel von Paris Saint-Germain. Wir nahmen unsere Kinder mit, die völlig aus dem Häuschen waren. Auf dem Spielfeld gab es das zu sehen, was in der Katar-Ära ein gewohntes Bild geworden ist. Den kleinen italienischen Spielmacher Marco Verratti, der den Stürmern die Bälle perfekt serviert, oder Thiago Silva, der seine Abwehr so gut dirigiert, dass er selbst im ganzen Spiel kaum eine Ballberührung hat. Untermalt wurde das Ganze von bewunderndem Applaus, fast wie in der Pariser Oper. 

Aber an jenem Abend hörte ich auch etwas, das mir in 15 Jahren im Prinzenpark kaum begegnet war: Fans, die vor Begeisterung durchdrehen. PSGs katarische Besitzer hatten den seit Jahren ausgesperrten Ultras erlaubt, unter Einhaltung strikter Verhaltensmaßregeln zurückzukehren. Und jetzt gaben sie die Gesänge und Aktionen vor. Plötzlich stand ich, ein Mann mittleren Alters, mit dem Rücken zum Spielfeld, hakte mich bei den anderen Vätern unter und sprang auf und ab. Ja, inzwischen gibt es bei PSG sogar Stimmung.

FC Paris Katar

Die Wandlung des Klubs seit der Übernahme durch Qatar Sports Investments im Jahre 2011 ist eine der bemerkenswertesten Geschichten des modernen Fußballs. Vielen Leuten gefällt sie nicht. Daniel Cohn-Bendit, der seit seinen Revoluzzertagen in den Sechzigern den Fußball in Paris verfolgt, schnaubt: »Die Begeisterung hat allein damit zu tun, dass die Leute glauben, PSG könnte die Champions League gewinnen. Warum sollte ich Fan des FC Paris Katar sein?« In der Tat gibt es vieles, das man am katarischen Projekt kritisieren kann. Es gibt aber auch vieles, das positiv ist. Vor allem gibt es vieles, das verstanden werden will. Was geht da vor sich bei PSG? Ist dies ein in der Fußballgeschichte ganz neues Phänomen? Und tun die Katarer das alles wegen des Geldes, der Macht oder einfach nur aus Spaß? 


Unter den europäischen Hauptstädten war Paris jahrzehntelang jene, in der Fußball die geringste Rolle spielte. Man konnte sein ganzes Leben hier verbringen und niemals mitbekommen, dass der Sport überhaupt existiert. Es war nahezu tabu, über Fußball zu reden. Diese Verachtung für das Spiel ging auf die kulturelle Elite der Stadt zurück. In seinem berühmten Film »Sie küssten und sie schlugen ihn« stellt Regisseur François Truffaut den Fußball als einen der vielen Schrecken dar, mit denen Erwachsene Kinder quälen. Man sieht zum Beispiel einen absurd enthusiastischen Lehrer in kurzen Hosen, der durch die Straßen joggt und dabei blödsinnige gymnastische Übungen vollführt. Er hetzt seine Klasse durch Paris, um ein Fußballspiel zu bestreiten. In seinem Rücken setzen sich die Jungs nach und nach ab. Später, als die Hauptfigur Antoine in einem Erziehungsheim gezwungen wird, Fußball zu spielen, nutzt er das zur Flucht, mit der der Film endet.

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