Papa Kahn scheitert bei der KSC-Wahl

Er kam, sah und verlor

Buh-Rufe für Oliver Kahn und seinen Vater Rolf Kahn bei der Mitgliederversammlung des Karlsruher SC. Der Sicherheitsdienst musste einschreiten, um den Titan vor Handgreiflichkeiten zu schützen. Wie konnte es dazu kommen? Papa Kahn scheitert bei der KSC-Wahl Die Mitgliederversammlung, die schon im Vorfeld für regen Gesprächsstoff sorgte, plätschert anfänglich vor sich hin. Hubert H. Raase, der sein Amt als Präsident nach sieben Jahren zur Verfügung stellt, legt den Geschäftsbericht vor und vermeldet, dass der KSC während der Spielzeit 2008/2009 einen Gewinn in Höhe von 1.937.000 Euro erwirtschaftet hat. Seine »Mission«, sagt Raase, sei »erfüllt«. Als er vor sieben Jahren den Verein an der Spitze übernahm, hatten die Blau-Weißen Schulden in Höhe von rund fünf Millionen Euro und standen kurz vor der Insolvenz.

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Die erste Amtshandlung des Unternehmers, der mit seiner Firma auf die Beratung und Belieferung von Pharmaunternehmen spezialisiert ist und über Partner-Büros in Hongkong und Rotterdam verfügt, war eine private Finanzspritze von rund 500.000 Euro, um den Verein vor dem Gröbsten zu bewahren. Mit seinem unternehmerischem Geschick und den beiden Jahren Erstligazugehörigkeit schaffte er es, erstmals in der jüngeren Vereinsgeschichte schwarze Zahlen am Wildpark zu schreiben. Er hielt im Vorfeld das zukünftige Präsidium an, nicht dort zu landen, wo er angefangen habe.

Nach seiner Abschiedsrede erhält Raase von den 1.534 Mitgliedern stehende Ovationen. Er ist sichtlich gerührt.

Die Maserati-Affäre

Der Ton wird erstmals schärfer, als Peter Mayer, Vorsitzender des Verwaltungsrates, Manager Rolf Dohmen in die Mangel nimmt. Mayer wirft Dohmen vor, er habe den Anschluss-Leasing-Vertrag seines Geschäftswagens (einen Maserati) eigenständig geändert, ohne dies mit dem Verwaltungsrat abzusprechen. Was folglich in den vergangenen Wochen zu Unruhen geführt habe und in einer Boulevardzeitung den Anschein erweckte, dass der Verwaltungsrat bei der »Maserati-Beschaffung« beteiligt gewesen sei.

Für die Kritik am umstrittenen Manager erhält Mayer frenetischen Jubel der Mitglieder, plötzlich kommt etwas Schwung in die bis dato nüchtern geführte Veranstaltung. Wenig später stellen sich die drei Präsidentschaftskandidaten Rolf Kahn, Siegfried König und Paul Metzger vor. Rolf Kahn, der im Jahre 1961 und 1962 von Sepp Herberger und Helmut Schön für die damalige Juniorennationalmannschaft nominiert wurde, hat mit Sohn Oliver den prominentesten Wahlkampfhelfer. Er beginnt mit seinen Ausführungen und appelliert an die Mitglieder, nicht nur einmal im Jahr eine solche Veranstaltung zu besuchen und dann im Nirgendwo zu verschwinden, woraufhin er verständlicherweise den geballten Zorn der Mitglieder spürt. Rolf Kahn wird ausgepfiffen.

Dabei hatte sich doch sein Sohn wenige Tage vor der Wahl noch flugs zum KSC-Mitglied taufen lassen. Der »Titan« rührte im Vorfeld mächtig die Werbetrommel, gab Interviews, einen Fernsehauftritt und ließ sich erstaunlich oft blicken, nicht zuletzt, weil seine neueste Liebschaft in einer Karlsruher Disco arbeitet.

Soll die Stadt ihren verlorenen Sohn zurückbekommen? Wohl eher nicht. Schon gar nicht nach dem Vorfall, als im Anschluss an die Vorträge der Präsidentschaftskandidaten bei der öffentlichen Fragestunde Oliver Kahn das Wort ergreift und mit seinem Vorredner aneinander gerät, der sich vom »Titan« nicht beschwichtigend in die Arme nehmen lassen wollte. Auf den ehemaligen Welttorhüter hagelt es Hohn und Spott, als dieser dem KSC eine Liebeserklärung ausspricht. Die ersten großen Verlierer stehen damit schon vor der Wahl fest. Das streitlustige Vater-Sohn-Duo Rolf und Oliver Kahn. Ingo Wellenreuther, Wahlausschussvorsitzender, hat alle Mühe, dass die Veranstaltung nicht total aus der Spur geriet.

Um 0:30 Uhr steht das Wahlergebnis fest. Paul Metzger sichert sich im ersten Wahlgang 748 der 1.424 Stimmen und setzt sich gegen seine Konkurrenten König (381 Stimmen) und Kahn (295 Stimmen) durch, CDU-Bundestagsabgeordneter Wellenreuther bricht die Versammlung aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ab. Die Vizepräsidentenwahl muss auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung nachgeholt werden.

Neu-Präsident Metzger verspricht, die leidige Kölmel-Thematik sofort am nächsten Tag anzugehen. Der KSC hatte in einer Nacht und Nebelaktion 15 Millionen DM im Jahr 2000 von Filmrechtehändler Michael Kölmel erhalten und im Gegenzug einen Vertrag unterschrieben, der besagt, dass Kölmel 15% der TV-Einnahmen erhält. Im Eifer des Gefechts wurde damals jedoch versäumt, eine Vertragslaufzeit festzulegen. Ein weiteres ehrgeiziges Ziel, welches sich Metzger auf die Fahne schreibt, ist, die Mitgliederzahl von derzeit rund 5.000 bis nächstes Jahr auf 15.000 aufzustocken.

Zuletzt wurde zudem als Erfolg vermeldet, dass ein neues Stadion gebaut werde – nur wann und wo, das steht ja bekanntlich seit Jahren in den Sternen. Was die gebeutelten KSC-Anhänger kaum noch echauffieren dürfte.

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