Pal Dardai über Preetz, Weiser und die Champions League

»Mit der Nagelschere im Garten«

Sie sind einer der wenigen Menschen, die dem Werben eines Uli Hoeneß nicht nachgegeben haben. Der FC Bayern wollte Sie 1999 verpflichten, aber Sie sagten ab und wurden Herthas Rekordspieler.
Als das Angebot vom FC Bayern kam, spielte Hertha in der Champions League. Ich dachte tatsächlich, der Klub würde bald ebenso groß sein. Das Angebot von Uli Hoeneß war jedoch finanziell um ein Vielfaches besser, also habe ich ihm mündlich zugesagt. Aber in der Nacht bekam ich kein Auge zu. Morgens rief ich bei Herthas Manager Dieter Hoeneß an und sagte: »Ich gehe zu Bayern!« Der protestierte und meinte, ich solle sofort in sein Büro kommen. Auf dem Weg habe ich gespürt, wie unglücklich mich der Gedanke macht, Berlin zu verlassen. Am Ende des Gesprächs mit dem Manager habe ich deshalb gesagt: »Mach den Vertrag fertig, ich bleibe hier.« Und ich habe den Entschluss nie bereut.

Sind Sie nach 19 Jahren ein assimilierter Berliner?
Würde ich schon sagen. Inwiefern passen Sie zu dieser Stadt? Das weiß ich nicht. Ich bin kein einfacher Mensch.

Wie meinen Sie das?
Ich bin sehr direkt und sage immer, was ich denke. Damit kommen viele nicht klar.

Auch in Ihrer Mannschaft?
Nein, das ist vielleicht mein Glück. Da gibt es viele Spieler, die meine Art zu nehmen wissen. Gott sei Dank, denn wir dominieren die Liga nicht, sondern gewinnen oft nur mit einem Tor Unterschied. Deswegen muss alles passen, und die Jungs müssen meine Art ohne Wenn und Aber mittragen.

Noch mal: In welcher Hinsicht sind Sie typisch berlinerisch?
Bin ich nicht. Ich lebe in meiner eigenen Welt, und die besteht eigentlich nur aus drei Elementen: Fußball, Familie, mein Garten.

Sind Sie als Gärtner genauso akribisch wie als Trainer?
Wenn ich im Garten bin, habe ich nie das Handy dabei. Da gibt es Obstbäume und Weintrauben, die ich beackere. Und mein Rasen sieht aus wie der im Olympiastadion.

Sind Sie da mit der Nagelschere zugange?
Ja, das muss ich leider zugeben. Pal Dardai, der typisch deutsche Kleingartenspießer. Und zweimal in der Woche sitze ich auf dem Rasenmäher und ziehe meine Bahnen. Dienstags und freitags vor dem Abschlusstraining.

Ihre Nachbarn werden sich bedanken.
Die denken bestimmt, dass ich nicht ganz richtig im Kopf bin. Aber so bin ich nun mal: Wenn es etwas mache, dann mache ich es richtig.