Pädophiler Ring im englischen Fußball?

Missbrauchter Karrierestart

Ex-Nationalspieler Paul Stewart wurde als Kind von seinem Trainer misshandelt. Er ist nicht der erste, der seine Geschichte öffentlich macht. 

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»Eines Tages fing er im Auto an, mich anzufassen. Er hat mich zu Tode erschreckt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich war doch erst elf. Er sagte, er würde meine Mutter, meinen Vater, meine zwei Bruder töten, wenn ich etwas verrate. Mit elf glaubst du so etwas. Von da an hat er mich regelmäßig missbraucht.«

In England brodelt es. Im Mutterland des Fußballs bahnt sich ein Missbrauchsskandal an. Zwischen 1970 und 1990 kam es offenbar zu zahlreichen Misshandlungen von Jugendspielern. 

Stewart ist der dritte englische Ex-Profi, der innerhalb einer Woche öffentlich machte, dass er als Kind von seinem Trainer sexuell missbraucht wurde. 

»Es wurde jeden Tag schlimmer«

Stewart, 52, beendete 2000 im Alter von 36 Jahren seine Karriere, die von den Gräueltaten seines Peinigers geprägt waren. Der war es nämlich, der ihm seine Karriere als Fußballprofi erst ermöglichte. 

Sein Trainer, den er nicht mit Namen nennen will, suchte Ausreden, um mit Stewart alleine zu sein. Er gaukelte den ahnungslosen Eltern etwas von Extratraining und spezieller Förderung vor. Auf gemeinsamen Reisen zu Turnieren kam es zu Übergriffen. Wenn die Leistung nicht stimmte, musste er im Anschluss bezahlen. »Es wurde jeden Tag schlimmer.«

Fußballprofi als Wrack

Stewart entkam seinem Peiniger, als er mit 15 Jahren zum FC Blackpool wechselte. Wiederum zwei Jahre später gab er sein Profidebüt. Er machte seinen Weg, spielte mit englischen Legenden wie Paul Gascoigne, Gary Lineker und Ian Rush zusammen. 1991 gewann er mit Tottenham den FA Cup. Er lief für Liverpool und Manchester City auf, wurde englischer Nationalspieler. Der Fußball half. 

Neben dem Platz war Stewart ein psychisch labiles Wrack. »Die mentalen Narben haben mich in den Alkohol- und Drogensumpf gezogen.« Mit 27 wurde er drogenabhängig, regelmäßig griff er zu Kokain, Ecstasy und Alkohol. Und spielte trotzdem auf höchstem Niveau Fußball. »Ich bin immer davon gekommen.« 

40 Jahre lang trug Stewart sein Schicksal mit sich herum. Jetzt erzählte er seine Leidensgeschichte. Zwei Ex-Kollegen verhalfen ihm zu diesem Schritt. Zwei Leidensgenossen, die das gleiche Schicksal teilen.