Ortsbesuch: Manuel Neuer eröffnet Döner-Bude

»Egal, Hauptsache Europa«

Schalkes Manuel Neuer wird von vielen Experten für den besten Torhüter der Welt gehalten. Seit Dienstag ist er auch weltweit der erste Mensch, der einen Döner-Drive benutzt hat. Wir waren vor Ort. Ortsbesuch: Manuel Neuer eröffnet Döner-BudeKarol Herrmann / Presse (1)

Eigentlich sollte Chicko, »der fetzige junge Hahn, der Skateboard fährt und jede Bühne rockt«, der Star bei der Filialeröffnung einer aufstrebenden Fast-Food-Kette in Gelsenkirchen sein. Den Beweis dieser Fähigkeiten bleibt der gelbe Gockel nun jedoch schuldig. Bei 25 Grad im Schatten steht das Maskottchen unter dem sperrigen Ganzkörperkostüm wackelig auf den Beinen. Stattdessen stiehlt ihm ein junger Welttorhüter die Show. Der möglicherweise letzte öffentliche Auftritt in Gelsenkirchen wird Manuel Neuer mit Sicherheit als einer der kuriosesten im Gedächtnis bleiben. 

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Es sind mehr als 400 Schaulustige nach Gelsenkirchen-Ückendorf gekommen, viele von ihnen sind Medienvertreter. Zur Eröffnung des weltweit ersten Döner-Drive der Welt, wie die Besitzer Ercihan und Erhan Baz es nennen, hat sich reichlich Prominenz angekündigt. Neben Neuer sind auch Rudi Assauer, Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und Werner Hansch, der durchs Programm leitet, erschienen.

Eurodance und Fanfaren des Bergmannorchesters

Der schwitzenden Menge werden Schals mit dem Slogan »Auf diese Hühner stehe ich!« verteilt. Die musikalische Rahmenbegleitung schwankt zwischen ohrenbetäubendem Eurodance aus der Box und den Fanfaren des ansässigen Bergmannorchesters. Während die letzten Latten des fünfstöckigen Neubaus gerade angeschraubt werden, darf die Show beginnen. 

Werner Hansch, mit seinen 72 Jahren schlagfertiger denn je, eröffnet auf der kleinen Holzpalettenbühne: Ob man denn jetzt bald nach München expandieren würde, fragt er die Brüder Baz. »Wir werden erstmal noch eine Filiale in Duisburg aufmachen«, so die enttäuschende Antwort der Besitzer. Hier wird heute wohl noch nicht viel verraten. Während Hansch noch die Architekten interviewt, hält Manuel Neuer ein angeregtes Pläuschchen mit Assauers frisch vermählter Gattin. Letzterer sitzt etwas gelangweilt daneben, hat mit der Hitze zu kämpfen. Assauer ist nicht ohne Grund gekommen. Als Gesellschafter hält er Anteile am Unternehmen. Dann wird der Torwart auf die Bühne zitiert.

Neuer weiß: Hähnchendöner ist nicht schädlich

Döner – man sollte meinen, das habe auf dem Speiseplan eines Profifußballers etwa so viel zu suchen wie Weizenbier oder Kautabak. »Beim Hähnchenfleisch ist es ja so, dass es nicht so schädlich ist« weiß Neuer auf die unangenehme Frage zu kontern. »Außerdem gibt es ja auch tolle Salate hier.« Hansch gräbt derweil nochmals alle möglichen Tricks aus dem Repertoire eines Sportjournalisten hervor: In welcher Filiale er den künftig sein Hühnchen verspeisen wolle: Manchester, München oder Madrid, will er wissen. »Egal, Hauptsache Europa«, entgegnet Neuer in bester Andi-Möller-Manier. 

Dann wird es Zeit für den großen Augenblick, das Highlight des Tages. Neuer soll der erste Mensch weltweit sein, der eine Bestellung bei einem Döner-Drive aufgibt. Nachdem Baranowski das rote Band zerschnitten hat, quält sich der Noch-Schalker mit einem Mini Cabrio durch die knipsende Paparazzi-Menge Richtung Schalter, als wäre er einer der Helden von Bern nach der Rückkehr. »Macht endlich den Döner fertig«, befiehlt einer der Manager noch mal schnell dem etwas überforderten Thekenpersonal.

Die Spannung steigt ins Unermessliche. Was wird er wohl bestellen? »Einen Chickendöner mit Pommes, Mayo und Zitronenlimonade. Zum Mitnehmen bitte!« Die Bestellung geht natürlich aufs Haus. Dann fährt Neuer auf den Parkplatz und lässt es sich schmecken. Umlagert von weiteren 50 aufdringlichen Journalisten, hat er sichtlich Probleme, sein Hühnchensandwich zu genießen. Nach einigen Bissen wird es unbemerkt zur Seite geschoben. Sein etwas gequältes Fazit: Es habe ihm gut geschmeckt, auch wenn er jetzt nicht jeden Tag Döner essen werde. Welch Glück, dass zumindest in München PR-Aktionen wie diese im Weißwurstrahmen stattfinden.