Ortsbesuch im Deutschen Fußballmuseum

»Die Funktionäre fügten sich ihrem Schicksal.«

Genau diese Reizüberflutung unterstützt eine weitere gravierende Schwäche der Ausstellung. Sie kratzt hauptsächlich an der Oberfläche. Ein elementarer Bestandteil musealer Arbeit besteht darin, dass das Ausgestellte auch aufgearbeitet und kritisch hinterfragt wird. Diese Eigenschaft lässt das Deutsche Fußballmuseum vollends vermissen. So wird das Thema Fußball in der NS-Zeit nur am Rande thematisiert und kaum kritisch beäugt. In einem kurzen Filmchen wird dem Besucher mitgeteilt: »Die Funktionäre fügten sich ihrem Schicksal.« Kann man das wirklich so einfach runterbrechen? Auch der Bundesliga-Skandal in den 1970ern wird in nur einer mickrigen Vitrine beleuchtet. Der Amateurfußball, bis heute die Basis des Sports, fehlt gar gänzlich.

Auch die Historie der Fans wird nur äußerst flüchtig thematisiert. In einer Vitrine hängen zwei Kutten neben einigen Ultra-Devotionalien wie einer handelsüblichen Bauchtasche oder einer »Anti FÜ«-Mütze der Ultras Nürnberg. Dazu schreiben die Aussteller: »Kutten Kult: Individuelle Kutten sind Bekenntnisse intensiven Fanlebens« und »Identifikation: Die Ultra-Szene entwickelt ihre eigene Kleiderordnung«. Eine äußerst schwache Aufarbeitung, vergleicht man das Museum beispielsweise mit seinem englischen Pendant, dem National Football Museum in Manchester, das die Fan- und sogar Hooligan-Vergangenheit sowie Verbandsskandale schonungslos aufarbeitet. Den Machern des deutschen Museums muss in diesem Kontext immerhin zugutegehalten werden, dass sie eine ganze Vitrine diversen Fan-Bündnissen und -Aktionen wie »Kein Zwanni für’n Steher«, »Pyrotechnik legalisieren« oder »Fußballfans gegen Homophobie« widmen.

»Modern spielt, wer gewinnt«

Dabei gibt es sie durchaus auch, die Höhepunkte der Ausstellung. Etwa im fingierten »Musikstudio«, in dem der Besucher legendäre WM-Songs der Nationalmannschaften wie »Buenos Dias Argentina«, »Wir sind schon auf dem Brenner« oder »Olé España« in Originalversion nachhören kann. Oder im »Taktikraum«, in dem die bekanntesten Bundesligatrainer einzeln vorgestellt werden und der vom berühmten Otto-Rehhagel-Zitat »Modern spielt, wer gewinnt« überstrahlt wird. Weitere Highlights: Ein eindrucksvoller Gang, der über die Anfänge des Vereinsfußballs berichtet und historische Plakate und Spielankündigungen zeigt, oder die durchaus amüsante Darstellung des legendären Wembley-Tores in Form eines Scotland-Yard-Tatortes.

Am Deutschen Fußballmuseum ist also längst nicht alles schlecht. Im Gegenteil: Es ist sogar ein Muss für jeden interessierten deutschen Fußballfan, alleine schon um sich selber ein Bild zu machen. Dennoch hat das Museum definitiv noch eine ganze Menge Luft nach oben. Die Ausstellung steht größtenteils, nun muss der Kurator am musealen Charakter und der vielleicht etwas zu pompösen Inszenierung feilen. Denn vielleicht würde dem DFB gerade in der heutigen Zeit ein bisschen mehr Bescheidenheit gut zu Gesicht stehen.

Und wer weiß, vielleicht wird aus der schönen, heilen Fußballwelt dann ja tatsächlich irgendwann mal ein »Ballfahrtsort« des deutschen Fußballs.