Ortsbesuch im Deutschen Fußballmuseum

»Das letzte unberechenbare … ist der Ball!«

Die kleine Halle ist durchaus ansprechend gestaltet. In der Mitte thront ein übergroßer Ball, um den sich herum zahlreiche spannende Ausstellungsstücke der »neuen DFB-Ära« von 2006 bis 2014 positionieren. Etwa eine handgeschriebene Notiz von Jürgen Klinsmann an Christoph Metzelder aus dem Sommer 2006 (»Lieber Metze, sei stolz auf Dich!, Hellwach und lautstark! Unser Heimspiel! Genieße es! Dein Coach Jürgen.«), das Trikot von WM-Final-Held Mario Götze oder der handgeschriebene Trainingsplan aus dem Campo Bahia.

In regelmäßigen Abständen wird außerdem ein Film über den letzten DFB-Titelgewinn gezeigt. Erwartungsgemäß ist dieser Streifen etwas überzeichnet. So verkündet Oliver Bierhoff – untermalt mit dramatischer Musik – zu Beginn, man habe ab 2006 einen »Zehn-Jahres-Plan« verfolgt. Im Rückblick einfach zu behaupten! Der ansonsten durchaus emotionale und stark produzierte Film endet mit einer beeindruckenden Licht-Show, an deren Ende Joachim Löw einsam verkündet: »Das letzte unberechenbare … ist der Ball!«

Eine Ausstellung der guten Laune. Ohne Kritik, ohne Hinterfragen

Mit dieser Vorstellung endet der erste Teil der Ausstellung. Als optischer Trenner dient eine 12-minütige Vorstellung in einem kleinen 3-D-Kino – der peinliche Höhepunkt der Ausstellung. DFB-Stars wie Bastian Schweinsteiger, Mats Hummels oder Manuel Neuer versuchen darin, das Publikum mit auswendig gelernten Sätzen zu animieren. »Na, wollt ihr den WM-Titel auch noch einmal miterleben?«, fragt Laien-Schauspieler Schweinsteiger. Der geneigte Besucher fragt sich eher, wie oft Schweinsteiger diesen Satz wohl hat üben müssen. Nach zwölf endlos langen Minuten verabschieden sich die Nationalspieler endlich – standesgemäß (und nicht weniger peinlich) mit einer »Laola« vom Publikum. Die Inszenierung zeigt, was das Deutsche Fußballmuseum eigentlich ist: Eine Ausstellung der guten Laune. Ohne Kritik, ohne Hinterfragen. Vom und für den DFB.

Dieser Eindruck bestätigt sich auch im zweiten Teil der Ausstellung. Es geht um den Vereinsfußball bzw. eher gesagt um einige Vereine im Fußball. Im Schnelldurchlauf werden die 70er, 80er, 90er und 2000er abgehandelt und die damals beherrschenden Vereine vorgestellt. Die Geschichte des DFB-Pokals findet auch in einer Ecke Platz, ebenso wie die Fußballberichterstattung im TV. Hier fehlt leider die obligatorische Torwand, dafür kann sich der Besucher als Kommentator versuchen. Ein lustiger Zeitvertreib. Ein echtes Highlight dieser »Zweiten Halbzeit« ist die originale Viktoria, die Trophäe für den Meister von 1903 bis 1944. Leider ist dieser Pokal eines von wenigen Originalen. Beinahe alle anderen Trophäen ziert der schöne Zusatz »Zweitoriginal«.

Die Linie geht vollkommen verloren

Auch der zweite Teil der Ausstellung offenbart die eklatante Schwäche des gesamten Museums. Im Wust von Vitrinen, Touch-Bildschirmen und unzähligen kleinen und großen Infotafeln geht die Linie vollkommen verloren. Das Kuratorium hat es nicht geschafft, die vielen durchaus interessanten Ausstellungsstücke, wie Original-Trikots, Schreibstücke oder den Elfmeterpunkt vom Finale 1990, in eine geordnete Bahn zu bringen.

Die Ausstellungsräume wirken größtenteils überfüllt, wichtige Themen wie die englischen Ursprünge des Fußballs, die Fanszenen, der Frauenfußball oder der Fußball in der DDR wirken irgendwie reingequetscht. Durch die Anordnung wird der Besucher im wahrsten Sinne des Wortes reizüberflutet. Während er sich etwa noch mit den Anfängen des DFB beschäftigt, wird plötzlich der Raum abgedunkelt. Es ertönt ein Einspieler von der WM 2006. Philipp Lahm zieht im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica von links in die Mitte, schießt, Tor. Und sofort ist die Aufmerksamkeit nicht mehr bei der DFB-Historie, sondern hundert Jahre später beim »Sommermärchen 2006«.

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