Ordnergewalt in Leipzig

»Wir sind hier in Ostdeutschland«

Wurden HSV-Fans in Leipzig von Ordnern attackiert? Und hat die Polizei wirklich nichts mitbekommen? Nach Sichtung von Bild- und Videomaterial erhärtet sich der Verdacht, dass zahlreiche Sicherheitsangestellte in Leipzig ihren Job verfehlt haben.

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Provokant winkt ein schwarz-gekleideter Ordner einen imaginären Gegner heran. Gleichzeitig ist zu hören: »Wir sind hier in Ostdeutschland.« Etwa zwanzig Sicherheitsangestellte stehen auf einer Brücke zum Gästebereich der Red-Bull-Arena in Leipzig, versperren den Weg für zahlreiche HSV-Anhänger, die sich auf einer Treppe versammelt haben. Allein: Die Situation ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich beruhigt. Wieso heizt der Mann, mit Headset ausgestattet und optisch als Vorgesetzter zu erkennen, die Lage erneut an?

Was war geschehen?

In der vergangenen Woche sah sich RB Leipzig mit zahlreichen Gewalt-Vorwürfen durch HSV-Fans konfrontiert. Das Fan-Projekt sprach davon, dass der Ordnungsdienst »gezielte und geplante gewalttätigen Attacken auf umstehende HSV-Fans« verübt hätte. Nach der Ingewahrsamnahme eines Fans sei es zu Protesten gekommen, im Zuge derer die Anhänger immer wieder von Ordnern attackiert worden seien. Ein HSV-Anhänger sei dabei K.o. geschlagen worden, musste medizinisch behandelt werden und hat Anzeige erstattet. Schwere Vorwürfe erhebt das Fan-Projekt auch gegenüber den anwesenden Polizisten, die »passiv das Geschehen verfolgten.«

Die Polizei Sachsen widersprach den Vorwürfen. Nach ersten Videoauswertungen sei eine Auseinandersetzung in der geschilderten Form nicht bekannt. Die Polizei bestätigte jedoch: »Nach dem Spiel kam es auf der Dammkrone hinter dem Gästeblock zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des HSV und dem Ordnerpersonal, nachdem zuvor die Polizei Identitäten von zwei Hamburger Fans feststellte, die im Verdacht stehen, während des Spiels im Gästeblock Pyrotechnik abgebrannt zu haben.«

Exklusiver Einblick

11FREUNDE erhielt in den vergangenen Tagen Einblick in das Video- und Bildmaterial von Beteiligten. Das Versenden und Veröffentlichen des Filmmaterials wird derzeit von den HSV-Fans mit dem Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte Dritter abgelehnt.

Beginn der Aufnahmen und der Auseinandersetzung. Foto: Nordtribüne-hamburg.de

Vorab: Es ist auch nach unserer Recherche nicht eindeutig zu sagen, was der konkrete Auslöser für die Szenen rund um den Auswärtsblock in Leipzig war. Die Szenen kurz vor den ersten gewalttätigen Auseinandersetzung lagen nicht vor. Aus der Vielzahl des gesammelten Materials kann sich kein lückenloses, aber ein umfangreiches Bild zeichnen.

Organisierte Aktion der Ordner

Deutlich ist zu erkennen, wie Ordner nach Spielende eine Gasse zum Auswärtsblock bilden. Hier wurden, nach Aussage von HSV-Fans (und indirekt durch die Polizei bestätigt), erste Identitäten von Personen, die mutmaßlich Pyrotechnik abgebrannt haben sollen, festgestellt. In einem zweiten Schritt kesselten die Ordner organisiert eine durchmischte Fanszene ein, indem sie einen mehrgliedrigen Halbkreis bildeten. Polizisten standen dabei im Hintergrund der Szenerie.

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