Österreichs Mitte-Rechts-Regierung kämpft gegen Pyro

Populismus vs. Pyrotechnik

Österreichs Regierung will Pyros aus den Stadien verbannen – aufgrund von »krebserregenden Folgen«. Dieselbe Polit-Riege verhindert ein Rauchverbot in Kneipen.

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Als die Ultras von Rapid Wien am vergangenen Wochenende den Block West per Choreo zum »Raucherbereich« erklärten, ging es ihnen nicht um die Rechte von Tabakfreunden. In Wahrheit zielten sie auf das geplante völlige Verbot von Pyrotechnik in Österreichs Stadien ab – und auf die offensichtliche Verlogenheit der alpenländischen Politik.

Die neue Mitte-Rechts-Regierung in Wien will per Erlass bislang mögliche Ausnahme-Tatbestände für den kontrollierten Pyro-Gebrauch bei Sportveranstaltungen aufheben, u.a. aufgrund von »akuten toxischen Wirkungen« und »krebserregenden Folgen« für die Stadionbesucher. Klingt fürsorglich, wirkt aber unglaubwürdig, wie die »Ultras Rapid« in einem offenen Brief festhielten: »Wohlgemerkt verteidigen dieselben Parteien derzeit das Rauchen in geschlossenen Räumen – trotz allseits bekannter Gesundheitsschäden – als ,Teil der Selbstbestimmung'. Eine solche Dreistigkeit würde sich nicht einmal die selbstbewusste und als infam geltende Hütteldorfer Fanszene erlauben.« Wobei Wien-Hütteldorf die Heimat Rapids ist.

Natürlich geht es der Regierung nicht um die Gesundheit

Natürlich geht es der Regierung – genauer gesagt: dem von der rechtspopulistischen FPÖ geführten Innenministerium – nicht um die Gesundheit. Hätte die FPÖ im Wahlkampf sonst so laut, schrill und ausdauernd für den »Raucher-Schutz« getrommelt? Hätte sie sonst in den Koalitionsverhandlungen mit der konservativen ÖVP ein längst überfälliges Rauchverbot in der Gastronomie blockiert? Die möglichen »akuten toxischen Wirkungen« und »krebserregenden Folgen« ignorierten die Rechtspopulisten in diesem Fall geflissentlich.

Während aktuell von Griechenland bis Norwegen die Nikotin-Fans brav vor der Tür paffen, müssen sich Nichtraucher in österreichischen Kneipen weiter durch schwere Rauchschwaden kämpfen, ehe sie ein kleines verglastes Kabuff in Toilettennähe erreichen – jenes für Nichtraucher, wohlgemerkt. Man darf wohl davon ausgehen, dass insbesondere die FPÖ besonders viele rauchende Kneipengänger unter ihren Wählern vermutet.

Nun kann man zu Pyrotechnik in Stadien (wie auch zum Rauchen in Lokalen) stehen wie man will. Man kann sich mit glänzenden Augen an rot erleuchteten Fankurven erfreuen oder sich tierisch über den beißenden Qualm und den chemischen Gestank aufregen. Nur eines darf man – eigentlich – nicht: Pyros unter Hinweis auf krebserregende Schadstoffe restlos verbieten und gleichzeitig das überfällige Rauchverbot in österreichischen Gaststätten lässig auf die lange Bank schieben.