Nuri Sahins Verschwinden

Der Spezialist

2011 stand ihm die Welt offen. Als erster Spieler verließ Nuri Sahin Klopps Meistermannschaft. Er wurde der erste Rückkehrer. Im Oktober 2016 ist er eine Randnotiz im BVB-Kader. Was ist passiert? 

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Besonders beeindruckt zeigt sich Thomas Tuchel stets von der Professionalität und der Persönlichkeit Nuri Sahins. Allein dadurch strahle der Mittelfeldspieler »jeden Tag in die Mannschaft«, formulierte der Dortmunder Trainer neulich auf der Dienstreise nach Warschau.

Der türkische Nationalspieler hatte sie erst gar nicht antreten dürfen. Wie so oft in dieser Saison. Noch nicht einmal stand Sahin auf dem Platz, noch nicht einmal konnte er mit einer Grätsche den Ball festmachen, und ihn dann verteilen. 

Bälle verteilen, sich hinter die Innenverteidiger fallen lassen, antizipieren: Das sind jetzt die Aufgaben von Julian Weigl, dem 21-jährigen Traum der Generation Spielverlagerung, dem Ballkontaktrekordhalter der Bundesliga. Die Sahin-Grätsche ist da nicht mehr gefragt. Im 4-1-4-1 ist kein Platz mehr für ihn. Davor spielen: Rode, Castro, Guerreiro, Götze, manchmal sogar Kagawa. Alle sind offensiver. 


Ein Versprechen auf eine noch glanzvollere Zukunft

Die Erinnerungen an seinen Beitrag zum Dortmunder Aufschwung unter Jürgen Klopp verblassen langsam. Als die Dortmunder werden, was sie jetzt sind, ist Sahin der Taktgeber im Mittelfeld, der mit seinen Pässen das Spiel dominiert, der Traumtore anhäuft und die Mannschaft 2011 zum unerwarteten Meistertitel führt. 


Wie er es als 18-jähriger in einem kicker-Interview versprochen hat. »Irgendwann werde ich diese Mannschaft führen können«, sagt er im Juli 2007. Das tut er nach seiner Rückkehr aus dem Rotterdamer Exil, in das er 2007 unter Doll geflüchtet war. 

Ins erste Meisterjahr geht er mit der Erfahrung über 100 Bundesligaspielen. Dort ist er ein Versprechen auf eine noch glanzvollere Zukunft der Borussia. Er kann diese Mannschaft führen. Jeder sieht das. Und dann verlassen. Nach 135 Ligaspielen, 13 Tore und 28 Assists. Der erste Stammspieler dieser Mannschaft, der den Verlockungen der großen Fußballwelt nicht widerstehen kann.

In Madrid nur ein weiterer Name

Er ist 22 Jahre. »Ich kann versprechen, dass ich, egal was in den nächsten Jahren passieren wird, immer ein Dortmunder bleiben werde«, sagt er auf seiner letzten Pressekonferenz im Mai 2011, Michael Zorc starrt Berater Reza Fazeli missmutig an, der grinst zurück. Gewinner und Verlierer.

Gündogan kommt und der BVB durchlebt die noch glanzvollere Zukunft mit dem Double im Folgejahr und der großen Champions League-Saison 2012/2013. Sahin wird in der Ferne nicht glücklich. Er wird nicht der neue Xabi Alonso in Madrid. Das Knie ist kaputt, die Königlichen ungeduldig, er nur ein weiterer Name, ein Versuch, der nach 18 Monaten und einer Leihe nach Liverpool scheitert.


Also zurück. Zorc schaut nicht mehr missmutig, er lacht. Eine große Inszenierung an einem Freitagabend. Charterflug direkt aus dem Trainingslager in La Manga. An Bord: Geschäftsführer Aki Watzke und Michael Zorc. Die Lokalpresse berichtet live vom Medizincheck. »Nuri is back. Und das ist auch gut so«, wowereitet Watzke, Zorc ergänzt: »Nuri ist wieder zuhause«, und Nuri lacht und Dortmund weint vor Freude.