Nützliches Wissen zum Afrika Cup 2019

»Heute benutze ich elektrisches Juju«

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Anthony Yeboah wurde 1988 beim Afrika Cup von einem ehemaligen Streifenpolizisten aus Hessen entdeckt. Er wechselte daraufhin vom ghanaischen Erstligisten Okwawu United zum 1. FC Saarbrücken. Später ging er zu Eintracht Frankfurt. »Er ist der einzige Schwarze, der mir sympathisch ist«, schenkelklopfte Oskar Lafontaine einmal. Yeboah gab derweil erfrischende Interviews. In seinem ersten Interview sprach er über Frauen (»Alle deutschen Frauen mögen mich, ich weiß auch nicht wieso«) und seine Lieblingsfernsehsendung (»Neben der Sportschau mag ich vor allem Alf«). 1992 sagte er dann den Satz, der heute zum Standard aller 39.485 Fußball-Sprüchebücher zählt. Auf die Frage eines Spiegel-Reporters, ob er sich mit einem BMW, Reihenhaus und Vorgarten wie ein deutscher Musterbürger fühle, antwortete Yeboah: »Soll ich ein Lagerfeuer im Wohnzimmer machen?«

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Und noch ein Ex-Bundesligaspieler: JayJay Okocha gewann mit Nigeria den Afrika-Cup 1994. Zehn Jahre später, 2004, wurden die Super Eagles Dritter. Okocha wurde mit vier Treffern Torschützenkönig und zum besten Spieler des Turniers gewählt. Im selben Jahr wurde er von der FIFA in die Liste mit den 125 besten lebenden Fußballspielern aufgenommen. Vor ein paar Jahren sagte Okocha in einem Interview: »Ich bin mir sicher, dass es da draußen einen neuen JayJay gibt, der uns wieder zu einem Titel führt.« 2013 hatten sie ihn gefunden. Sein Name: Sunday Mba. Er schoss das goldene Tor im Finale gegen Burkina Faso.

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Der Afrika Cup 2004 stand im Zeichen einer Völkervereinigung. Ruanda hatte sich erstmals für das Turnier qualifiziert, und so standen mit einem Mal Hutu und Tutsi gemeinsam auf dem Fußballplatz, jene Volksgruppen, die wenige Jahre zuvor einen blutigen Bürgerkrieg erlebt hatten. Die Hutu-Regierung ließ zwischen Anfang April und Mitte Juli 1994 über 800.000 Tutsi ermorden. Dazu noch 200.000 moderate Hutu, die sich an dem Völkermord nicht beteiligen wollten. Ruanda schied beim Afrika Cup 2004 in der Vorrunde aus. Im Team stand unter anderem der in Deutschland lebende Michel Kamanzi. Der damals 29-jährige war weit weg vom Fußballprofitum. Er kickte damals für die SG Betzdorf, Rheinlandliga, Westerwald.

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Der Weg zum Afrika Cup war für Ruanda alles andere als ein Zuckerschlecken. Als 119. der FIFA-Weltrangliste startete man in die Qualifikationsspiele. Bei einem Spiel gegen Uganda hielt Torwart Mohammed Mossi so gut, dass ihm die Ugander vorwarfen, er habe geheime Zauberkräfte, Juju, benutzt. Endlose Diskussionen folgten. Mossi, ein entspannter Zeitgenosse, merkte spätestens da, welche Wirkkraft das Wort »Juju« hat. Beim Rückspiel stellte er sich also vor den versammelten Journalisten und Gegenspielern auf und trompetete: »Heute benutze ich elektrisches Juju, das ist so stark, dass es für alle unsichtbar ist.« Kaum hatte er den Satz ausgesprochen, gingen die Teams aufeinander los. Mittendrin: Polizisten, Ordner, Funktionäre, Fans. Irgendwann beruhigte sich die Lage wieder und es konnte doch noch gespielt werden. Jimmy Gatete erzielte den 1:0-Siegtreffer für die »Wespen«. Ruanda war zum ersten Mal für ein internationales Turnier qualifiziert.

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Zum Abschluss, für den Halbzeitsmalltalk beim Afrika Cup, ein paar gut abgehangene Sprüche:

»Der Dettmar Cramer hat doch nur den Schwarzen im Senegal beigebracht, wie man Kakteen umdribbelt.« (Max Merkel)

»Ich will nicht parteiisch sein, aber: Lauft, meine kleinen schwarzen Freunde, lauft.« (Marcel Reif)

»Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen.« (Marcel Reif beim Länderspiel Deutschland-Ghana)

»Mann, wir Schwatten müssen doch zusammenhalten!« (Anthony Baffoe zum Schiedsrichter)

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Und da wir uns wünschen, das Turnier würde immer noch bei Eurosport übertragen werden, verabschieden wir uns mit einem gut gelaunten: 

»Tschüss und bye bye, ihr Wolfgang Ley.« (Wolfgang Ley)