Nürnberger Arbeitssiege

Hauptsach, gwunna!

Das 1:0 gegen den Tabellenletzten aus Wehen-Wiesbaden – ein Abeitssieg für den 1. FC Nürnberg. Doch unser Experte Alexander Endl meint ohnehin: Als Clubfan ist man nicht in der Position, Schönspielerei zu fordern. Nürnberger ArbeitssiegeImago »Dey sind zer bled, die mejn doch a mul a su a dreckigs Ansnull hamforn, wurscht wie!«

So der Clubberer VOR einem Arbeitssieg, gerne auch nach Spielen wie einem 0:0 gegen FSV Frankfurt oder wenn man gerade wieder die eigene 1:0 Führung durch einen Konter des Gegners in dessen eigenem Stadion verloren hat, weil man mit wehenden Fahnen nach vorne rannte. Aber NACH einem Arbeitssieg, einem so genannten »dreckigen 1:0«, wie gegen den SV Wehen Wiesbaden, also NACH so einem Arbeitssieg ist der Clubberer auf so was ganz schlecht zu sprechen.

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Braucht man nicht drüber reden, das Spiel war nichts für Feinschmecker. Aber man sollte bedenken: Die Mannschaft war gegen Kaiserslautern nicht so gut, wie sie geschrieben wurde, und gegen Aachen nicht so schlecht, wie sie macht wurde. Und gegen einem Tabellenletzten aus Wiesbaden, der von Wolfgang Frank auf den Weg bekam, mal lieber nicht mit Fußball zu glänzen sondern den anderen den Spaß zu verderben, was auch beinahe noch aufgegangen wäre, tun sich Heimmannschaften immer schwer. Entsprechend lobt der Trainer dann auch: »Kompliment an meine Mannschaft, die viele Dinge richtig gemacht hat. Wir haben es geschafft, die Leute hier nervös zu machen, nur das Tor hat gefehlt.« Ganz großer Sport also.
 
Abkehr vom Jugendstil?


Nach der Demontage in Aachen dürften bei so manchem Nürnberger Jungtalent die Nerven blank gelegen haben. Also die Marschroute auszugeben, erst mal einen ruhigen Start zu versuchen und dafür arrivierte Kräfte zu bemühen, ist legitim. Die Jungen dann ins laufende Spiel zu werfen ein probates taktisches Mittel. Zudem fehlte Frantz bspw. rein verletzungsbedingt, die Rückkehr von Wolf und Pinola erwartet und Judt ist ja eigentlich auch einer der jungen Spieler. Die von vielen befürchtete »Abkehr vom Jugendstil« also weniger ein faktisches Umdenken der Trainer nach Aachen als eine rein situationsbezogene Maßnahme.
 
Die zum Teil zu lesende beißende Fan-Kritik ist emotional also verständlich, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. Man brauchte 3 Punkte und hat die 3 Punkte - der Club aus Nürnberg hat eine lange Phase hinter sich, bei der man drei Punkte vielleicht verdient gehabt hätte, aber stets leer ausging - und im Ergebnis auch abstieg. Da sollte man auch solche drei Punkte mal gerne mitnehmen, denn das bringt Ruhe rein, lässt noch die Restchance auf den Aufstieg zu, was auch die Gegner nicht gern zur Kenntnis nehmen, und bringt vielleicht zwei wichtige Erkenntnisse (auch in Richtung der Gegner): Der FCN kann auch »dreckig« gewinnen, wenn es sein muss - und der FCN kann nach einem Rückschlag wieder aufstehen.
 
Ob man gegen Mainz wieder ein Kaiserslautern erleben darf oder ein »zweites Aachen« erleben muss, wird sich zeigen. Jedenfalls wird Mainz keine Mannschaft sein, die ähnlich wie der SCWW nur auf »Spielverderben« aus sein wird. Und die Kritik in Richtung Gegner sollte auch erlaubt sein und muss gesehen werden: Wer mit dem Rücken zur Wand steht und nichts dafür tut, was 57% zu 43% Ballbesitz pro Nürnberg und 16:6 Schüsse belegen, braucht sich nicht selbst zu loben, den Gegner (und dessen Fans) ein wenig nervös gemacht zu haben. Wer von Platz 18 die 4 Punkte Rückstand zum rettenden Ufer verkürzen will, sollte auch spielen wollen und damit auch den Zuschauern etwas bieten. Wenn eine von zwei Mannschaften aber gar nicht mitspielen will, macht ein Spiel selten wirklich Spaß.
 
Unzufrieden sein darf man als Clubberer dennoch, auch als Fußball-Fan im Allgemeinen und auch die Mannschaft und der Trainer. Aber es war bekannt, dass man viel Arbeit noch VOR sich hat. Der FCN ist keine Spitzenmannschaft, aber könnten vom Potenzial her eine werden. Jedesmal nach Wasserstand die Hälfte der Spieler wieder zu verdammen, wie man das aus den Fan-Stimmen an vielen Orten hört und liest, fördert nicht unbedingt die Entwicklung der Mannschaft - eher noch schafft sie eine Distanz zwischen Mannschaft und Fans.
 
Als Clubfan ist man nicht in der Position, Schönspielerei zu fordern. Die Fans sollten gerade auch in der Eigenschaft als Fan (und damit Supporter) mal brav bescheidener werden und auch einen Arbeitssieg annehmen. Und wenn man schon die Arbeit nicht gut fand und nicht auch noch lobend hervorheben will, wie übrigens auch Michael Oenning: »So tüchtig waren wir nicht, Glück haben wir trotzdem gehabt«, traf der Trainer den Nagel nach dem 1:0-Arbeitsssieg gegen Wehen Wiesbaden auf den Kopf. Dann eben zufrieden auch mal »dreckige drei Punkten« mitnehmen, wie das auch andere Mannschaften Spieltag für Spieltag tun, und auf wieder schönere Spiele hoffen, die man sich aber durch vernichtende Kritik aber nicht selbst verbauen sollte, indem man sich (und den anderen) alles schlecht redet.