Nürnberg im Aufwärtstrend

„Noch zwei, drei Jahre“

Und dann wird alles noch besser als es jetzt schon ist. Denn die Nürnberger stehen nicht nur sportlich gut da, sondern stottern auch noch zügig ihre Kredite ab. Die vorläufige Saisonbilanz liest sich wie folgt: Unbesiegt und fast schuldenfrei. Imago Das sind Genuss und Überraschung zugleich, was die Anhänger des 1. FC Nürnberg zurzeit erleben dürfen. Im dritten Bundesligajahr in Folge zeichnet sich ein Aufwärtstrend ab, den auch die Konkurrenz so nicht unbedingt auf dem Zettel haben konnte. In der ersten Spielzeit nach dem direkten Wiederaufstieg mit drei Punkten Vorsprung eben noch gerettet, letztes Jahr ein beachtlicher achter Platz – was geht noch in der laufenden Saison? Bislang sind die Clubberer noch ungeschlagen auf Platz sechs und haben das Potential, zum Überraschungsteam des Jahres zu avancieren. Darüber hinaus macht Trainer Hans Meyer mächtig Laune, auch wenn der Club am Wochenende zum fünften Mal hintereinander nur einen Punkt holte.

Um dieser Serie nicht allzu viel Bedeutung beizumessen und womöglich Krisenszenarien heraufzubeschwören, sollten sich die Nürnberger ein wenig von den hübschen Zahlen ablenken lassen, die heute veröffentlicht wurden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der über viele Jahre hinweg finanziell schwer angeschlagene Verein einen Gewinn von einer Million Euro vor Steuern. Der Umsatz lag bei satten 36,2 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte der Club bei einem Umsatz von 31,1 Millionen Euro noch ein Minus von 600 000 Euro erwirtschaftet. Damit haben die Franken ihre Verbindlichkeiten seit Juni 2005 von 7,4 auf 2,5 Millionen Euro reduziert – Bankschulden sind nicht mehr darunter.

Unbesiegt und fast schuldenfrei

„Wir brauchen noch zwei, drei Jahre, dann steht der Club wirklich glänzend da“, erklärte Präsident Michael A. Roth vor der Mitgliederversammlung am Mittwochabend und ergänzte mit gekonnter Anspielung auf seine seit 1994 währende zweite Amtszeit: „Es hat zwölf Jahre gedauert, jetzt kann sich der Club wieder in der Bundesliga sehen lassen. Es war ein schwieriger Weg. Es ist fast unmöglich, einen guten Kader aufzubauen und gleichzeitig Schulden abzubauen.“ Aber machbar. Ausschlaggebend für das gute Ergebnis des Club war nämlich der Verkauf von Leistungsträger Stefan Kießling für fünf Millionen Euro an Bayer Leverkusen. Der Erlös musste aber nicht in Nottransfers angelegt werde, denn der vorhandene Kader fing den Verlust auf. Auch das war den guten Zahlen zuträglich.

Ebenso wichtig für die Sanierung der Finanzen war der Rückkauf der Fernsehrechte: Lange Zeit hatten die Nürnberger 25 Prozent ihrer Einnahmen aus den TV-Rechten an den Vermarkter Sportfive abgeben müssen, nun kassieren sie das Geld wieder in vollem Umfang. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Es ist ein gutes Ergebnis“, sagte FCN-Geschäftsführer Ralf Woy, relativierte aber ungehend: „Von sehr gut möchte ich noch nicht sprechen.“ Das sollte er auch lieber der Anhängerschaft überlassen, denn die kann ihren unbesiegten und (fast) schuldenfreien Club ruhig mal feiern und die überraschend gute Zeit einfach nur genießen.

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