Nürnberg im Aufstiegsfieber

Der Franke an sich

Ein Abstieg ist für gewöhnlich sehr frustierend. Aufgebaute Strukturen fallen ineinander zusammen, Leistungsträger kehren dem Verein den Rücken zu, Fans verlieren das ganz große Interesse. Nicht so beim 1. FC Nürnberg. Nürnberg im AufstiegsfieberImago So ein Abstieg wirft uns Clubberer doch nicht um, da muss schon mehr kommen. Der Verein hielt trotz Abstieg an Trainer und Manager fest, die Säulen der Mannschaft konnten gehalten werden (jedenfalls bisher), namentlich Mintal, Wolf und Pinola - ja und manche wollten sogar bleiben, obwohl man eigentlich ohne sie plante.

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Und die Fans? Sagenhafte 14.000 Dauerkarten sind schon weg. Für Zweitligaverhältnisse ist das eine Wahnsinnszahl, und ich gehe mal davon aus, dass dadurch auch eine zweite Welle anlaufen wird, weil Nachfrage meist noch mehr Nachfrage generiert.

»Schwer zu begeistern, dann aber treu bis in den Tod«

Nur eins stört mich in dem ganzen Wiederaufstiegs-Feeling. Dieses penetrante davon reden, es wäre ein »Betriebsunfall« gewesen - wovon alle sprechen, zuletzt auch Raffa bei seiner Rückkehr. Denn das wäre für mich fatal, das als eine Art »Unfall« zu deklarieren, eine Schicksalsschlag sozusagen. So würde man - würde man das ernsthaft so beurteilen - verkennen, dass es nicht eine Fehlentscheidung eines Schiedsrichters oder ein verschossener Elfer war, der zum Abstieg führte, sondern eine ganze Saison in der keiner ein Mittel fand, den Sog nach unten zu stoppen.

Das ist kein »Unfall«, da braucht es Fehleranalyse und ich bin eigentlich sicher, dass man das intern auch so sieht. Aber dann braucht man es nach außen auch nicht so verkaufen, denn die Fans vertragen schon die Wahrheit und strömen jetzt nicht wieder zum Club, weil sie naiv sind, sondern weil man Lust auf diese neue Truppe hat und weil der Franke eben ist, wie der Franke ist: »Schwer zu begeistern, dann aber treu bis in den Tod« - sagt man. Und so bleibt eben die Verbundenheit und Liebe zu diesem Club und die Hoffnung, dass wir nicht nur wieder aufsteigen, sondern eine Club-Mannschaft sehen, die diesen Namen durch Identifikation auch verdient.

Aber meinen Respekt bisher: Was da an Bewegung durch Martin Bader schon erfolgt ist, klingt sehr viel versprechend, fehlen noch zwei, drei Zu- und Abgänge, dann hat das schon ein richtiges Gesicht