Nordirlands größte Legende: George Best

Peter Pan in der Schmuddelecke

Um Busby, der es wie alle Manager seiner Generation gerne sah, wenn Spieler mit spätestens 20 eine Sandkastenfreundin ehelichten, zu besänftigen, titulierte er jedes zweite Girl, mit dem er sich drei Tage herumtrieb, als »Verlobte«. Nur wenn Stanley todsichere Tipps für langfristige Geldanlagen unterbreitete, stellte Best die Ohren auf Durchzug, was er später bitter bereute und, infantil wie er nun einmal war, United, das ihn besser hätte absichern sollen, zum Vorwurf machte.

Die oft demütigende und seinen Untergang mit Sicherheit beschleunigende Tingelei der letzten 20 Jahre wäre zu vermeiden gewesen, wenn er nur ein bisschen besser vorgesorgt hätte. Aber auch in jener Zeit, als er im Duo mit Rodney Marsh den Elefantenfriedhof des Public Speaking Circuit unsicher machte und sich bei Sky TV als Gastkommentator verdingte (und das waren noch die seriöseren Jobs), bewahrte er sich zumindest so viel Klasse, nicht – wie etwa Jimmy Greaves – unter seinem Namen eines jener hyperpeinlichen »Alkohol ist keine Lösung«-Bekenntnisbücher schreiben zu lassen.

1968: Drei schneeweiße Jaguars

Aber in den Midsixties kam die Kohle in rauen Mengen herein und wurde auch gleich wieder mit beiden Händen unter die Leute gebracht, was aber kaum verwunderte, denn in Manchester wurde ja schließlich der Kapitalismus erfunden. So folgten beispielsweise auf den himmelblauen Sunbeam Alpine, der auf unzähligen Fotos verewigt ist, in rascher Folge immer schnellere und schnittigere Karossen. Allein im Jahr 1968 arbeitete sich Best durch drei schneeweiße Jaguars. Und Papa Dickie, der immer sein größter Fan bleiben wird, bekam einen Fish-and-Chip-Shop spendiert, damit er aus der Knochenmühle seines Werftarbeiterjobs heraus kam. Kaum zu glauben, aber wahr: Best war vermögend und einer der populärsten jungen Männer des Landes, hauste aber immer noch in einem Pensionszimmer und musste sich für seine Sauftouren und amourösen Eskapaden davonstehlen wie ein Pennäler auf Klassenfahrt.

Für ihre One Night Stands mieteten er und Summerbee, der von City ähnlich karg untergebracht war, zwar ein Apartment an, dennoch blieb er der schrulligen Mrs. Fullaway, bei der United seit Menschengedenken auswärtige Nachwuchsspieler einquartierte, fast zehn Jahre lang treu. Erst 1970 ging er einem total durchgeknallten Stararchitekten auf den Leim, der mit Bests Geld sein Traumhaus baute, für das »futuristischer Albtraum« noch eine dezente Beschreibung war.

Innen war, wie in einer James-Bond-Parodie, alles vollautomatisch, aber wenn man auf den Knopf drückte, durch den die Jalousien herabsinken sollten, lief die versenkbare Badewanne voll. Und da der einstöckige Kasten an allen Seiten hohe Panoramafenster hatte, blieb auch sein häusliches Leben schön transparent, denn im Vorgarten kampierten immer irgendwelche Mädels, die obendrein die Goldfische aus dem von einem Landschaftgärtner angelegten Teich klauten.

Ein Rebell war er dann doch nicht

Nein, ein Rebell, wie so oft vorschnell behauptet, war Best dann wohl doch nicht, dazu hatte er es sich viel zu lange auf Kosten anderer viel zu gut gehen lassen. Aber er hat sich, ob aus purem Trotz oder weil er wie Peter Pan einfach nicht erwachsen werden konnte, nach dem Ende seiner aktiven Zeit gleich freiwillig in die Schmuddelecke getrollt und dabei konsequent eine Verweigerungshaltung durchgehalten, die ihn eben nicht so werden ließ, wie es von einem Spieler seiner Klasse und Bedeutung eigentlich erwartet wurde, wie die Pelés, Platinis, Cruyffs und Beckenbauers, die alle auf ihre Weise daran mitgewirkt haben, dass der internationale Spitzenfußball kaum noch mehr ist als der beliebige Zweig einer immer entseelteren Entertainmentindustrie, die sich wie ein Krebsgeschwür unaufhaltsam um die Welt frisst.

Ein paar Tage nach Bests Tod fand das als WM-Gruppenauslosung getarnte Zombietreffen statt, bei dem einige Altstars (Pelé natürlich vorneweg), vorgeführt wie die Tanzbären, mal wieder brav Pfötchen geben und ihr Sprüchlein aufsagen durften. Da war es schon lustvoll, sich mal kurz vorzustellen, welch herrlichen Eklat es gegeben hätte, wenn mitten in der peinlichen Show Bestie gut angeballert dahergewankt gekommen wäre, um Hallo zu sagen und dem ewig grinsenden Model, das genau seiner Kragenweite entsprochen hätte, seine Aufwartung zu machen.