Nobodys in der Champions League

Unbekannte Könige

Auf der Landkarte der Champions League gibt es in diesem Jahr einige graue Flecken. Wir ändern das. Über Weißrussland, Rumänien und Zypern nach Dänemark stellen wir die vier großen Unbekannten der Königsklasse vor. Nobodys in der Champions LeagueImago Eine ganze Saison haben sie nicht verloren. Eine ganze Saison haben sie diszipliniert aus der ihrer kompakten Verteidigung heraus gekontert und immer wieder ihre Tore gemacht. Anorthosis Famagusta ist da angekommen, wo sie vor ein paar Jahren noch niemand erwartet hatte. Vor fünf Jahren noch war der Verein, der heute den Fußball auf Zypern dominiert, bankrott. Präsident Andrea Panteli hat sich daran gemacht den Club zu sanieren. 1911 in Famagusta gegründet, ist der Verein seit der Besetzung 1974 durch die Türkei in Larnaka zu Hause. Im Team der Zyprer findet man gleich zwei Mitglieder, die schon gegen Gruppengegner Werder Bremen das Vergnügen hatten. Trainer Temuri Ketsbaia, war vor 20 Jahren mit der Mannschaft von Dynamo Tiflis zu Gast im Weser-Stadion. In der Champions League spielte der Georgier im Mittelfeld von Newcastle United. Noch nicht ganz so lange liegt die letzte Begegnung von Verteidiger Jeffrey Leiwakebessy mit den Bremern zurück. Der Holländer stand auf dem Platz als Diego gegen Alemannia Aachen aus 60 Metern traf.
Auch an Stars fehlt es nicht im Team der Insulaner. Traianos Dellas, der Kollos von Rhodos, wie in Otto Rehhagel nennt, ist Europameister und schloss sich zu dieser Saison Anorthosis an. Und noch ein alter Bekannter aus dem internationalen Geschäft kam in diesem Jahr zu Famagusta: Savio, der mittlerweile 34-jährige Brasilianer gewann mit Real Madrid insgesamt dreimal die Champions League. Famagusta startet mit Inter Mailand, Panathinaikos Athen und Werder Bremen in der Gruppe B.

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Mit CFR Cluj hat es ein waschechter Emporkömmling in die Gruppe A geschafft. Letzte Saison holte der Verein erstmals das rumänische Double und brach die seit 20 Jahren bestehende Dominanz von Rapid, Dinamo und vor allem Steaua Bukarest. Der erste Titel seit 20 Jahren, der nicht in der rumänischen Hauptstadt landete. Eine Sensation, bedenkt man, dass der Verein noch vor acht Jahren ein Niemand im rumänischen Fußball war. Erst durch den Aufstieg 2001 und den folgenden Einstieg des erfolgreichen Jungunternehmers Arpad Paszkany wurden die Weichen in Cluj auf Erfolg gestellt. Seitdem sprudelten die Geldmassen in den Verein und ermöglichten es, erfahrene Spieler aus hochklassigen Ligen andere Länder zu verpflichten. So sind es mittlerweile 22 Ausländer, die unter Trainer Ioan Andone ihre Fußballschuhe schnüren. Der Star des Teams ist jedoch ein Rumäne, Eugen Trica. Der geniale Spielgestalter, klassisch hinter den Spitzen positioniert, ist das Herz des Offensivspiels. Dank seines Hitzkopfes ist er jedoch sowohl auf, als auch neben dem Platz mal für eine Unbeherrschtheit gut. In der Gruppe mit Chelsea, Bordeaux und dem AS Rom kann es für den CFR nur um das Erreichen des dritten Platzes und die Qualifikation zum UEFA-Cup gehen.

1973 von fanatischen Arbeitern der hiesigen Fabrik für Auto- und Traktor-Elektronik gegründet, stellt BATE Borisov selbst im weißrussischen Vergleich einen kleinen Verein da. Für die Heimspiele in der Champions League muss dann auch das Stadion des Rivalen Dinamo Minsk erhalten, da das eigene nicht im Entferntesten den Statuten der UEFA entspricht. Ein finanzstarker Investor ist auch nicht in Sicht und so wird es auch in Zukunft die Nachwuchsabteilung sein, die der Club in die nationale Waagschale werfen kann. Und das mit Erfolg, vier Meistertitel seit der Neugründung 96 sprechen eine deutliche Sprache. In Sachen Jugendförderung kann man BATE gut und gerne mit Arsenal London vergleichen, und wie es der Zufall will ist der Ex-Arsenal-Spieler Aliaksandr Hleb damals in Borisov entdeckt worden. Wie die CL-Saison für den Neuling verlaufen wird, bleibt abzuwarten, bis jetzt gab es auf dem internationalen Parkett deutliche 1:7 Abreibungen gegen Lokomotive Moskau, oder chancenlose 0:4 Niederlagen wie im letzten Jahr gegen Villareal. Über die erste Runde des UEFA-Cups ist die junge, mit Talenten gespickte Mannschaft des 30-jährigen Trainers Viktor Goncharento auch noch nie hinaus gekommen.

Vor zuletzt 13 Jahren qualifizierte sich die Mannschaft von Aalborg BK für Europas höchste Spielklasse. Der dänische Meister ging überraschend mit einem neuen Trainer in die Saison. Bruce Rioch, der Schotte der in den 70er Jahren 24 Mal für die Nationalmannschaft spielte, trifft mit Aalborg zum ersten Spiel auf Celtic Glasgow. Mit Michael Bögelund, von Borussia Mönchengladbach gekommen und Kasper Beauchamp, der für den 1. FC Nürnberg spielte, können die Dänen zumindest in der Abwehr auf Bundesligaerfahrung bauen. Nur sieben Spieler im Team können Länderspieleinsätze vorweisen. Immerhin kommen 18 Spieler des Kaders aus Dänemark. Der Chef im Angriffsspiel von AaB ist der Schwede Andreas Johansson, einer der Schlüsselspieler neben Spielmacher und Kapitän Thomas Augustinussen. Die beiden Spieler und die Geschlossenheit der Mannschaft machten im letzten Jahr mit Aalborg den Unterschied zum Rest der Liga aus. Mit Celtic Clasgow, Titelverteidiger Manchester United und Villarreal startet die Mannschaft als absoluter Nobody in eine spektakuläre Gruppe.