Newcomer des Jahres

»Ein kommender Nationalspieler«

Einst wollte Dieter Schatzschneider den jungen Julian Brandt zu Hannover 96 holen. Hier erklärt er, was unseren Newcomer des Jahres so besonders macht.

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Zum ersten Mal habe ich Julian Brandt spielen gesehen, als er 14 oder 15 Jahre alt war. Vermutlich war es bei einem der Länderturniere in der Sportschule Wedau oder Kaiserau, wo er für Niedersachsen gespielt hat. Ganz genau kann ich mich daran nicht mehr erinnern, was ich aber genau weiß: Ich wollte ihn sofort für Hannover 96 haben! Denn ich habe auf Anhieb einen zukünftigen Bundesligaspieler in ihm gesehen. Es gibt nämlich selbst in diesem jungen Alter etwas, das an einer solchen Voraussage kaum Zweifel bestehen lässt, außer eine schwere Verletzung bremst die Karriere.

Julian Brandt war schon damals unglaublich schnell mit dem Ball am Fuß, beidfüßig und hatte eine Superpräzision beim Abschluss. Seine Schusstechnik rechts wie links war überragend, und diese Fähigkeiten sind im Laufe der Jahre natürlich noch besser geworden. Außerdem konnte man bei ihm die Charaktereigenschaften sehen, die man braucht, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Wenn man so jung und so gut ist, wie er das damals war, will man es am liebsten mit allen elf Gegnern aufnehmen. Wenn er sich dabei verhedderte und den Ball verlor, setzte er nach. Da spielte kein Egoist, sondern ein Teamplayer.

Ich habe ihn im Laufe der Jahre oft in Jugendmannschaften spielen sehen und kann mich an keinen Tag erinnern, an dem ich nicht gedacht habe: Mensch, hat der heute wieder klasse gespielt. Es gab sogar mal einen 5:0-Sieg der Wolfsburger Nachwuchsmannschaft in Hannover, bei dem er uns allein abgeschossen hat. Ich musste mich zusammenreißen, ihm nicht öffentlich zu applaudieren.