Neville und Giggs, Fergusons Küken

Der gute Geist

Sie laufen und laufen und laufen. Gary Neville und Ryan Giggs haben ihre Verträge um ein weiteres Jahr verlängert. Manchester United ohne »Fergie´s Flidglings«, Fergusons Küken? Nicht vorstellbar. Neville und Giggs, Fergusons KükenImago Die Fans von Manchester United sind wie alle anderen Fußball-Fans: sie lieben die Vergangenheit. Sie horten ganze Kartons alter Stadionmagazine, füllen Wandschränke mit Videos und DVDs über die erfolgreichsten Spielzeiten und ganz besonders Glückliche haben ein Original-Trikot eines ihrer Helden eingerahmt im Keller hängen. Manchester-Fans lieben den Glanz vergangener Tage, manche mehr als den Glamour der Gegenwart. Und United liebt Ryan Giggs und Gary Neville. Beide sind seit einer halben Ewigkeit im Verein, eigentlich seitdem sie einen Pass über 30 Meter schlagen können. Neville und Giggs sind zusammen mit Paul Scholes die letzten ihrer Art, die ruhmreichen Fergie´s Fledglings, der Ferguson-Küken. Eine Generation, die 1999 mit dem atemberaubenden Gewinn der Champions League im Finale gegen Bayern München ihren Höhepunkt erreichte. Eines der Glanzlichter aus dieser Zeit, David Beckham, verließ den Verein und tingelt seitdem als gut bezahlte Werbepuppe durch die Welt. Scholes, Giggs und Neville blieben. »Sie sind der gute Geist von Manchester United«, formulierte es Trainer-Evergreen Alex Ferguson trefflich.

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Giggs und Neville sind zusammen 70 Jahre alt. Beide haben ihren Vertrag bei den Manchester United jetzt für ein weiteres Jahr verlängert. Eine Investition in die Vergangenheit, die sich für den Klub bezahlt macht. Andere mögen athletischer, schneller, vielleicht auch technisch beschlagener sein, an die Aura von Neville und Giggs reichen sie nicht heran.

Ungezählte Kilometer auf der Außenbahn

Gary Neville wurde bei United groß, durchlief sämtliche Jugendmannschaften und lief 1994 erstmals für seinen Klub auf. 565 Pflichtspiele sind seitdem dazu gekommen, nie hat der 85-fache Nationalspieler für einen anderen Verein die rechte Seite frei gehalten. Seine Kilometer auf der angestammten Außenbahn? Ungezählt. Neville ist ein Freidenker, schreibt eine Kolumne für die »Times« und sorgte mehrfach für Aufsehen, weil sich für abgestrafte Mitspieler einsetzte. Als Rio Ferdinand aufgrund einer nicht abgegebenen Dopingprobe 2003 gesperrt wurde, drängt Neville auf einen Boykott des EM-Qualifikationsspiels gegen die Türkei. Um den ausgemusterten Alan Smith zu unterstützen verhängte Neville einen Presseboykott, die englischen Medien tauften ihn spöttisch »Red Nev«. Seinen sportlichen Wert muss Neville indes nicht mehr beweisen, seine Einsätze sind seltener geworden, das Alter und 15 Jahre Profi-Fußball machen sich bemerkbar. Doch Ferguson baut auf seinen Schützling, wohl wissend, dass es Spieler wie Neville sind, die im Old Trafford für die größten Heldentaten sorgten.

Noch imposanter ist die United-Karriere von Ryan Giggs, der mittlerweile 36-jährige Waliser ist seit der Saison 1990/91 auf der linken Offensivseite zu Hause. Mehr als 760 Pflichtspiele hat er seitdem für Manchester bestritten, eine sagenhafte Quote. Mehr Spiele hat kein anderer United-Fußballer je bestritten. Sind Neville und Scholes die großen Konstanten im Team, ist Giggs seit fast 20 Jahren der wilde Zufall auf links. Tausende seiner Ideen und Tricks haben zu Torchancen geführt. Viele halten Giggs für einen der besten Linksfüßler aller Zeiten.

Die beiden Koryphäen werden noch ein Jahr dran hängen, so einfach wird man sie nicht los. Bei den Fans sind sie ohnehin auf ewig ins Gedächtnis gebrannt. Alte Liebe rostet nicht.