Neue Töne an der Weser

Wo ist die Souveränität geblieben?

Werder Bremen steht mit seinem einen Punkt nach zwei Spieltagen auf dem 16. Tabellenplatz der Fußball Bundesliga. Angesichts der hohen Ansprüche der Grün-Weißen kann man mit Fug und Recht von einem Fehlstart sprechen. Natürlich darf man in Bochum Unentschieden spielen und freilich ist eine Niederlage gegen die Bayern angesichts der zahlreichen Verletzten auch keine Schande. Andererseits ist die Art und Weise des Auftretens der Mannschaft auf und neben dem Platz äußert bedenklich. Jetzt soll einer der Spieler (der allerdings anonym bleiben will) bei Bild-Online Kritik am Trainer geübt haben. Anlass genug für den Werderblog noch einmal genauer hinzuschauen.
Nach Meinung des Spielers soll Schaaf in der Vorbereitung falsch trainiert haben: “Die Belastung war zu hoch, deutlich höher als in den Vorjahren. Wir haben dicke Beine!” Außerdem - so der Spieler - sei Schaaf nur noch “sauer und negativ”.

Mal abgesehen davon, dass ich von anonymen Aussagen, die darüber hinaus noch in der BLÖD veröffentlicht werden, nicht besonders viel halte, muss man doch konstatieren, dass Werder in Person von Schaaf und Allofs einen gehörigen Teil ihrer sonst bekannten Souveränität verloren haben.

Das Ganze begann eigentlich - wie sollte es auch anders sein - mit der Personalie Klose. Ich war schon bass erstaunt, als Schaaf von seiner Linie abwich und den Spieler plötzlich in aller Öffentlichkeit kritisierte. Natürlich war er im Recht, aber es gab Zeiten, da waren derartige Handlungen an der Weser tabu.

Dann kam der Fall Carlos Alberto. Als der HSV plötzlich auch Interesse bekundete und in der Presse sogar als neuer Club gehandelt wurde, donnerte Allofs los, der HSV würde nur künstlich den Preis drücken wollen, um Werder zu schaden und dass Hamburg keine Chance hätte, wenn Werder mal richtig in die Tasche greifen würde. Vor einem Jahr bei den Transfers mit Naldo und Diego gab es auch namhafte Konkurrenz, doch da regelte man die Formalitäten im stillen Kämmerlein.

Ob die Aussagen von BILD nun frei erfunden sind oder nicht, sei mal dahin gestellt. Dass Schaaf an der Außenbahn seit der Rückrunde der vergangenen Saison immer mehr das Rumpelstilzchen gibt, ist aber meines Erachtens nach nicht von der Hand zu weisen. Und auch das Palaver mit dem vierten Offiziellen nahm stetig zu.

Über den letzten Punkt kann man streiten, aber die rasante Gewichtszunahme eines Klaus Allofs zeugt übrigens auch nicht gerade von einem stressfreien Lebenswandel.

Alles in allem will ich mit diesem Beitrag natürlich nicht unsere sportliche Führung in Frage stellen. Andererseits schrieb ich in meiner Prognose vor gut drei Wochen, dass ich mir - wenn es ganz unglücklich läuft - durchaus vorstellen kann, dass wir unseren Coach am vergangenen Samstag zum letzten Mal in einem Heimspiel gegen die Bayern gesehen haben. Der Trend seit der Winterpause zeigt eindeutig abwärts und derzeit sehe ich nicht, wie wir uns daraus so schnell befreien sollen.

Und seien wir doch mal ehrlich: sollte das Rückspiel gegen Zagreb verbaselt werden und wir am Ende der Saison im Niemandsland rumdümpeln, dann wird es schwer werden, Spieler wie Diego, Naldo, Merte und auch Borowski bei Laune zu halten. Ich habe zwar auch keinen konstruktiven Vorschlag, aber Schaaf und Co. sollten schleunigst ein Mittel erfinden, mit dem sie ihre Stars wieder motivieren können. Denn Verletzte hin oder her - auch mit der Elf, die Samstag auf dem Platz stand, kann man aggressiven Fußball spielen und Laufbereitschaft zeigen. Dann bekommt man auch keine vier Buden von den Bayern eingeschenkt - schon gar nicht von einem Altintop oder einem Ottl.