Neue Stadionwährung am Millerntor

Weg mit dem Kapital!

Die Vereinsführung des FC St. Pauli will mit dem „Millerntaler“ den bargeldlosen Zahlungsverkehr im Stadion einführen. Die Fans wittern dahinter Kommerzinteressen und laufen Sturm. Hätte man ihnen die Idee doch bloß anders präsentiert! Archiv
Heft #74 01 / 2008
Heft: #
74
Was Bayern und Schalke können, können wir schon lange, dachten sich wohl die Verantwortlichen beim Zweitligisten FC St. Pauli. Denn gerade haben sie beschlossen und verkündet, einen „Millerntaler“ als neues Zahlungsmittel im Stadion einzuführen. Mit diesen Chips sollen sich die Fans zukünftig Bier und Bratwurst am Millerntor holen. Praktisch, schnell und einfach. So etwas gibt es noch nicht einmal beim schnöden Hamburger SV.


[ad]

Die Fans dagegen finden die Idee blöd, was zu erwarten war. Sie vermuten hinter der Währungsreform nur Profitgier, denn bei dieser Art des bargeldlosen Zahlungsverkehrs gibt es immer ein bisschen Schwund durch nicht eingelöste Chips, und zwar zugunsten des Veranstalters. Ist der Kommerz nun auch beim Hamburger Kiezklub angekommen – und das obwohl sich viele Fans nach Kräften dafür stark machen, das linksalternative Image ihres Vereins zu erhalten? Nein.

Im vergangenen Jahr machten es die Fans dem Präsidenten Corny Littmann schwer, den Umbau des Stadions durchzusetzen, zuletzt protestierten sie lautstark gegen den Verkauf des Stadionnamens an einen Sponsor. Auch diesmal besteht eigentlich kein Anlass zur Sorge – der FC St. Pauli bleibt weiter ein Chaosklub. Denn hinter dem Millerntaler steckt offenbar keine Vermarktungs-Maschinerie mit ausgeklügelter Marketing-Strategie. Werbeprofis hätten erst gar nicht versucht, der Zielgruppe St.-Pauli- Fan ohne Begründung modernes Plastikgeld anzudrehen. Sie hätten sich zumindest einen „Rettertaler“ ausgedacht oder das Spielgeld mit dem Slogan beworben: „Weg mit dem Kapital“.


Verwandte Artikel

25 DVDs

25 DVDs

Die Würde des Balles