Neue Enthüllungen im Fifa-Skandal

Mehrere Millionen Dollar Schmiergeld

Während Burzaco als Strohmann von Julio Grondona fungierte, waren beide Jinkis in ähnlicher Funktion für einen anderen in Zürich inhaftierten hohen FIFA-Funktionär zuständig: den Uruguayer Eugenio Figueredo (83), bis vor kurzem Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa. Der ehemalige Vorsitzende des uruguayischen Fußballverbandes und langjährige Vizepräsident des Südamerikanischen Fußballverbands Conmebol wartet in einer zwölf Quadratmeter großen Gefängniszelle im Kanton Zürich auf seine Auslieferung. Er soll mehrere Millionen Dollar von »Full Play« kassiert haben.

Als Gegenleistung sicherten sich die Jinkis über viele Jahre die lukrativen Fernsehrechte der Copa América und der kommenden Weltmeisterschaften in Russland und Katar. Ob sie auch hierfür Fifa-Funktionäre bestochen haben, klärt die US-Justiz gerade. Die in der Vergangenheit bestochenen Funktionäre sicherten »Full Play« die Monopolstellung als Anbieter von TV- Übertragungsrechten in Lateinamerika. Das geht aus dem 160 Seiten starken Bericht des US-Justizministeriums hervor.

Der lateinamerikanische Fußball ist völlig diskreditiert

Der lateinamerikanische Fußball ist durch die Nachforschungen aus Washington völlig diskreditiert. Mit Grondonas Tod, Blatters Abgang und der Verhaftung namhafter Funktionäre aus der Region, verschwindet eine Generation von Siebzig- bis Achtzigjährigen, die sich über Jahrzehnte hinweg gegenseitig gedeckt haben. »Er war mein lebenslanger Freund« sagte Blatter über Grondona an dessen Todestag. Auch ließ er es sich nicht nehmen, für wenige Stunden ans andere Ende der Welt zu fliegen, um an dessen Begräbnis teilzunehmen. Der schweigsame Argentinier seinerseits sagte, er brauchte dem Schweizer nur in die Augen zu sehen um zu wissen, welche Gedanken ihn gerade umtreiben.

»Todo pasa« (»Alles geht vorbei«) stand auf Julio Grondonas Siegelring geschrieben. Die Geschichte Burzacos und der Jinkis scheint hingegen erst der Anfang gewesen zu sein. Sie zeigt, wie sehr Fußball, Politik und Kriminalität in Lateinamerika miteinander verwoben sind. Viele fragwürdige Figuren genießen politischen wie juristischen Schutz. In diesem Kosmos hat die Wahl des neuen Verbandsvorsitzenden in Argentinien eine ähnlich große Bedeutung wie die eines neuen Regierungschefs. Mit Marcelo Tinelli, dem landesweit populärsten Fernsehshowmaster, und dem Unternehmer Armando Perez, stehen im kommenden Oktober bislang zwei Kandidaten zur Wahl. Beide wollen das System reformieren, und nötig wäre das dringend.